Liebesbrief an Dänemark – 1. Folge
Liebesbrief an Dänemark
June 02, 2007
Ein Törnbericht mit Tipps
„Wohin fahren wir?“ fragten wir unseren Kapitän, der uns zum Segeltörn eingeladen hatte, als wir ins Auto stiegen. Wir sahen Sonnenschein in seinen Augen! „Nach AEroe“ hörten wir ihn sagen. Es klang wie eine Liebeserklärung an das dänische Inselmeer. Und so wussten wir schon, es wird wieder eine wunderbare Segelwoche mit den schönsten Eindrücken, die uns, wie immer, lange in Erinnerung bleiben werden. Die Autofahrt verging wie im Fluge und die einstündige Fährfahrt stimmte uns schon so richtig auf das uns Bevorstehende ein. Und dann Begann unsere Seewanderung. Der Ausgangspunkt dieses Segeltörns war wieder Soeby bei AE B C auf AEroe. In der wunderschönen dänischen Südsee mit ihren Inseln, welche wie Perlen an einer Kette dort aneinandergereiht sind, ist die Planung nicht schwer. Die Sonne ist unser Ziel und der Wind unser Wegweiser. Was es heißt, mit einem Schiff von Werner dort auf Törn zu gehen, brauchen wir dem Kenner nicht erzählen, und wer es noch nicht weiß, muss es selber erfahren. Das Proviantieren hier fällt auch leicht, denn in diesem Revier kann man jeden Tag frische Sachen einkaufen; also kein Büxen mit Tomatenfisch und keine Tüten mit Gemüsesuppe. Der Himmel gleicht einem Postkartenfoto, die Festmacherleinen werden eingeholt, die letzten Fender rein genommen, Segel werden vorgehisst, Schoten dicht geholt, unser Segelschiff – die Troldehans – legt sich leicht auf die Backe und ab geht die Post. Hoch am Wind Richtung Als-Sund, Sonderborg, ist unser Ziel. Der Skipper hantiert noch kurze Zeit mit Zirkel, Dreieck und Seekarten, und bald liegt der Leuchtturm von Skjoldnaes an Backbord achteraus. Der kleine Belt hat uns und meint es gut mit uns. Ein handiger Süd-Südwest, mit dem uns bekannten Kleiner-Belt-Seegang, lässt uns gut vorankommen. Leichte Unterhaltung wechselt mit genießerischem Schweigen, bis es leicht abkühlt, und wir jetzt erst merken, dass wir in den Abends hineinsegeln. Schrick für Schrick können wir beim Abfallen in die Schoten geben, Kalkgrund haben wir schon vor einiger Zeit an Backbord gesehen. Dieser Leuchtturm liegt jetzt schon ziemlich achteraus. Sonderborg kommt in Sicht, das Groß wird geborgen und ordentlich aufgetucht. Den Rest machen wir mit der Fock. Der Skipper bespricht noch einmal mit uns das Anlegen., noch ein Blick in das Hafenhandbuch. Wir gehen in den Stadthafen, Fender und Leinen werden ausgebracht, „alles klarmachen an beiden Seiten“ hören wir, also vorne 2 kurze und achtern 2 lange Leinen, schön über die Reling gelegt, unten wieder zurückgeholt, an den Festmacherklampen belegt und den Rest wieder aufgeschossen in übersichtlichen Buchten sicher an Bord abgelegt; sie dürfen nicht unbeabsichtigt über Bord fallen und in die Schraube kommen. Der Skipper will hier kein Spaghetti sehen; 2 Fender an jeder Seite ausgebracht und wieder hochgenommen, damit sie im rechen Moment fallen können. Ein Reservefender bleibt griffbereit. – Und das alles noch vor dem Hafen und in Ruhe. – So können wir in guter Zeit und ohne Hektik im Hafen einen Platz suchen. Da, längsseits zur Brücke ist genügend Platz. Noch ein kurzer Blick auf die Tonne in der Hafeneinfahrt sagt uns, wie stark hier der Strom steht. „Na, denn man los“, hören wir. Noch einen schönen Bogen bis kurz vor der Klappbrücke, Fock einrollen (schade, früher hieß es „lass fallen die Fock“, war irgendwie schöner, aber wir können den Fortschritt nicht aufhalten), die Fender gehen wortlos an Backbord über, das Schiff verringert seine Fahrt, Sekunden später steht es längsseits mit 20 cm Abstand zur Brücke. Ute geht mit der Achterleine und Jo mit der Vorleine mittschiffs durch die Relingspforte auf die Brücke (hier wird nicht gesprungen, um sich die Beine zu brechen „nöö“) und machen fest. Anschließend wird noch die Spring ausgebracht und die Fender zurechtgerückt. 2 Fender bringen wir noch an der Hafenseite aus als Willkommen für nachfolgende Yachten, die bei uns längsseits gehen wollen. „Da sind wir“. Diesmal ging es ganz ohne Motor, der Skipper schmunzelt genüsslich, er kennt seine Leute und das Schiff und umgekehrt. Es wird noch ein lauer, gemütlicher Abends mit Smörrebrot, ein Bierchen und ein kleiner Gammelsdansk in Sonderborg. So schließt der 1. Törntag und der 1. Teil dieses Törnberichtes.
Eine Fortsetzung folgt irgendwann.
