Mallorca 2011

N 39° 32' E 02° 42'

1. Tag (Samstag) ZÜRICH – MARINA CA’N PASTILLA

September 03, 2011

Kurz nach 1300 Uhr treffen wir uns wie abgemacht beim Check-in. Ja, der Skipper hat das Vorrecht auf Spezialbehandlung geltend gemacht und die weitaus grösste Reisetasche dabei, was zu einigen Bemerkungen der übrigen Crew-Mitglieder Anlass gibt. Jetzt müssen wir noch mindestens eine Flasche Hochprozentiges einkaufen, damit wir jederzeit etwas für Neptun bereit haben, und Jasskarten brauchen wir ebenfalls (zur Not tun es auch die Französischen).

Unser Flug geht erst um 1510 Uhr, also haben wir noch genügend Zeit, uns ein Bier zu genehmigen. Einer erklärt voller Stolz, was er alles im Handgepäck dabei hat. Unter anderem ist auch ein Sackmesser dabei. Das braucht man natürlich immer, aber die Frage ist: sehen das die Beamten bei der Sicherheitskontrolle ebenso? Wir machen also alles bereit für den Röntgenapparat. Man kennt das ja: Taschen aufs Förderband, ebenso Portemonnaie, Handy, Laptop etc. Auch die Gürtel müssen ausgezogen werden. Jetzt sind wir gespannt. Was passiert mit dem Sackmesser? Nun, entweder hat er es besonders geschickt im Handgepäck platziert, sodass es der Beamte nicht gesehen hat, oder die Zürcher sind einfach toleranter und akzeptieren, dass ein richtiger Schweizer auch immer ein Sackmesser dabei haben muss. Auf jeden Fall geht die Sicherheitskontrolle problemlos über die Bühne…

Um 1730 Uhr kommen wir wohlbehalten in Mallorca an. Auch das Gepäck ist hier und wir nehmen uns ein Taxi für die kurze Fahrt in die Marina. Die Frau des Chefs nimmt uns in Empfang und bemerkt treffend, dass wir uns etwas verspätet haben. Unser Gepäck wird ins Auto verladen und zum Boot gebracht, während wir den Weg zu Fuss zurücklegen. Der Skipper erledigt die Formalitäten und beginnt mit der technischen Übernahme des Bootes (alles i.O., die „SEDNA“ ist zwar schon 5 Jahre alt, aber in einem wirklich guten Zustand). Die anderen sehen sich erst einmal um und checken die Vorräte (der Lieferservice hat bestens geklappt, alles ist bereits eingeräumt und sogar im Kühlschrank verstaut). Mit grossen Augen beobachten wir, wie die Nachbarn eine Packung Bier nach der anderen im Boot verstauen. Und noch eine Packung. Und noch eine Packung… Werden die den Hafen überhaupt verlassen?

So, jetzt werden unsere Kojen verteilt. Jeder packt seine Sachen aus und macht sein Bett bereit. Die wichtigsten Handgriffe (Gas, Wasser, WC) sind schnell erklärt, dann sind wir zum ersten fertig. Wir geniessen noch kurz die wunderbare Abendstimmung, dann hält uns nichts mehr zurück, ein Restaurant zu suchen; der Hunger meldet sich. Wir haben Glück und finden ein sehr gutes Restaurant, wo wir ein fantastisches Mahl mit Muscheln, Fisch, Fleisch, Pizza, geniessen – was immer gewünscht wird. Dieses erste spanische Essen schmeckt ganz hervorragend, so kann es weitergehen.

Als wir zurück aufs Boot kommen, stellen wir erstaunt fest, dass jemand die Planke, die das Boot mit dem Festland verbindet, ganz aufs Land zurückgezogen hat. Das war möglich, weil sie nicht am Boot festgemacht war. Kein Problem, wir legen sie wieder korrekt hin und spazieren mit mehr oder weniger rumpeln an Bord. Jetzt gibt es einen letzten Schlummertrunk und bald ist Ruhe im Schiff. Nach ein paar Stunden muss der erste aufs WC und entscheidet sich, nicht dasjenige auf dem Boot, sondern die luxuriösere Variante auf dem Land zu benützen. Aber o Schreck! Die Planke ist weg! Was nun? Er weiss sich zu helfen, klettert an Land und organisiert eine Ersatzplanke, diesmal mit den notwendigen Bändseln um sie am Boot festzumachen. Gut gemacht!

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N 39° 21' E 02° 57'

2. Tag (Sonntag) CA’N PASTILLA – SA RAPITA

September 04, 2011

Ein wunderbarer Morgen erwartet uns. Obwohl noch einige bedrohliche Wolken am Himmel stehen, sind wir guter Dinge, denn die Wetteraussichten sind sehr gut. Es wird ein Wind von 2 – 3 Bft. erwartet, und das bei schönstem Sonnenschein, herrlich. Zunächst geniessen wir aber ein herzhaftes Frühstück. Die Küchenmannschaft hat sich schnell an die Küche gewöhnt. Es mangelt uns an nichts.

Jetzt heisst es, sich mit den vielen Leinen auf dem Schiff vertraut zu machen. Der Skipper erklärt alles und auch die Sicherheitsinstruktionen werden detailliert besprochen. So, nun sind wir bereit zum Auslaufen. Aber genau jetzt fährt ein Optimist (kleines Segelboot für Kinder) nach dem anderen vor unserer Nase vorbei. Sie veranstalten eine Regatta, das heisst für uns: warten. Das macht uns nichts aus, wir sind ja in den Ferien und die Neulinge auf dem Boot können bereits erste Erkenntnisse aus den Manövern ziehen.

Um 1245 Uhr geht es dann wirklich los. Draussen weht eine „mässige Brise“ (4 Beaufort) – herrlich. Wir können sofort den Motor abschalten und Segel hissen. Zunächst begnügen wir uns mit der Genua. Wir wollen uns zuerst mal an die Verhältnisse gewöhnen und das Boot kennenlernen. Aber Achtung: Neptun darf auf keinen Fall vergessen werden. Und nach einem kräftigen Schluck für uns und für ihn, fühlen wir uns bereit für den ersten Segeltag.

Herrlich, sich den warmen Wind um die Ohren pfeifen zu lassen und mit dem Boot über die Wellen zu schaukeln. Der Wind nimmt noch etwas zu und erreicht 5 Bft. (das ist nun nicht mehr eine „mässige“, sondern eine „frische Brise“). Und so kommt es, wie es kommen musste: Einer wird grün im Gesicht, verdrückt sich auf die Leeseite des Bootes und füttert die Krähen, bzw. die Fische mit dem noch nicht verdauten Frühstück. Nun, seekrank kann jeder werden, aber ihn erwischt es heute ganz arg. In den nächsten 5 Stunden, die wir unterwegs sind, muss er sich immer wieder übergeben. Schade auch um das schöne Nachtessen. Die Muscheln, der hervorragend zubereitete Fisch – alles kommt raus. Auch als der Magen schon lange leer ist, wird es nicht besser – ein wirklich bemitleidenswerter Kerl. Die Schönheiten des Meeres nimmt er nicht mehr wahr. So verpasst er die Delfine, die uns kurz besuchen ebenso, wie die Schildkröte, die an uns vorbeitreibt.  Nicht einmal, als ihm ein Bier offeriert wird, findet er das eine gute Idee.

Doch der Wind meint es gut mit uns. Er weht immer aus westlichen Richtungen und wir fahren zuerst nach Süden und dann nach Osten – perfekt. Gegen 1700 Uhr erreichen wir Sa Rapita und machen uns bereit, in den Hafen einzulaufen. Ob es wohl noch Platz hat für uns? Doch wir brauchen uns keine Sorgen zu machen. Die Marineros sind sehr hilfsbereit und weisen uns einen Platz beim Travellift zu. Da sind wir bestens geschützt und auch beim Parkieren helfen sie mit dem Dinghy mit, damit wir das Boot bequem parkieren können. Der einzige Nachteil (neben einer doch ziemlich hohen Gebühr von 77 Euro für eine Nacht) besteht darin, dass wir diesen Platz morgen bis um 0900 Uhr wieder verlassen müssen.

Und wie das so ist mit den Seekranken: kaum sind sie an Land, verbessert sich die Welt schlagartig. Nach einer halben Stunde geht es ihm bereits wieder deutlich besser und nach einer Stunde ist er bereits wieder der alte. Zwar um eine Erfahrung reicher, aber er hat schon wieder Hunger und Durst, ein gutes Zeichen. Also machen wir uns auf, das grosse Restaurant in der Marina zu besuchen, wo wir uns eine Paella und weitere Leckereien genehmigen. Wieder sind das Essen und der Wein hervorragend. Auch den Gästen am Nebentisch (Russen?) scheint es zu munden. Es ist eine wahre Freude, zuzuschauen, was die alles wegputzen. Sie scheinen sich quer durch die ganze Menukarte durchzufressen. Und es sind beileibe nicht nur die Herren, die zuschlagen. Die Damen stehen in der Quantität der Portionen in nichts nach. Uns hätte es schon längst zerrissen.

Müde von den Erlebnissen und mit vollen Bäuchen verkriechen wir uns bald in den Kojen. Wir sind gespannt, wann uns die Hafenarbeiter morgen wirklich wegscheuchen…

Tagesweg: 23 Meilen

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N 39° 08' E 02° 56'

3. Tag (Montag) SA RAPITA – CABRERA

September 05, 2011

Nun, das hatten wir uns schon etwa so vorgestellt. Die nehmen es nicht sehr genau, um 0900 Uhr werden wir noch nicht behelligt. Obwohl wir eigentlich fast bereit wären, abzulegen, können wir noch nicht weg. Die Marineros haben noch eine weitere Yacht in unserer grossen Box platziert, sodass wir warten müssen, bis diese zuerst weg fährt. Also können wir zuerst, wie es sich gehört, ein opulentes Frühstück geniessen.

Aber um 1015 Uhr geht es dann los. Nachdem auch Neptun wieder, wie alle Tage, seinen Obolus erhalten hat, stellen wir fest, dass es wesentlich weniger Wind hat als gestern. Nur gerade knapp 2 Bft. erwarten uns draussen. Da lohnt es sich kaum, die Segel aufzuziehen, zumal der Wind auch noch von Süden kommt, und genau da wollen wir ja hin, nämlich auf die Insel Cabrera. Also geniessen wir den schönen Tag und tuckern gemütlich mit dem Motor in Richtung des grossen Naturschutzgebietes. Und heute können alle die Delfine bewundern, die kurz auftauchen. Leider kreuzen sie unseren Weg nur kurz und sind so schnell wieder verschwunden, wie sie aufgetaucht sind.

Schon kurz nach dem Mittag fahren wir in die Bucht hinein und suchen unsere Boje Nr. B 13. Diese musste vorher reserviert werden, was der Vercharterer für uns erledigt hat. Allerdings hat er uns vorgewarnt: es gibt immer wieder Skipper, die sich nicht um die Nummern kümmern, dann sollen wir halt eine andere Boje nehmen. Und genau so ist es dann auch. Nach etwas herumkurven finden wir die Nr. 13, aber da hat eine andere Yacht festgemacht. Somit nehmen wir halt die Nr. B 16.

Jetzt heisst es aber zuerst: Badehose montieren und rein ins Vergnügen! Auch ein Kopfsprung liegt drin. Herrlich, im glasklaren Wasser mit den zahllosen Fischen um die Wette schwimmen. Nachdem wir uns ausgiebig in der Sonne geaalt haben, machen wir das Dinghy bereit. Wir wollen natürlich an Land und die Burg besuchen, die einladend auf dem nahen Hügel steht.

Zum Glück läuft der kleine Motor „wie ein Örgeli“. Im Gegensatz zu einem armen Kerl, der ganz alleine in seinem Dinghy sitzt und schwitzend wieder und wieder versucht, das Gefährt in Gang zu bringen. Dabei treibt es ihn immer weiter ab. Selbstverständlich bieten wir ihm im Vorbeifahren unsere Hilfe an, die er dankend annimmt. Also schleppen wir ihn zurück zum Boot, wo ihn seine Kumpels lachend in Empfang nehmen. Leider gehen sie nicht auf unsere Bemerkung ein, dass wir Biertrinker sind. So eine Unverschämtheit!

Als wir dann endlich an Land sind, führen uns unsere Schritte ganz automatisch in die kleine Bar. Es ist nämlich ziemlich heiss und wir müssen uns zuerst für den Aufstieg zur Burg stärken. Nach einem kurzen Marsch geniessen wir eine wunderbare Aussicht auf die Bucht und die Insel. Auch Mallorca ist in der Ferne zu sehen. Zum Glück leidet niemand an Platzangst, denn ein Stück der Wendeltreppe, die hinauf führt, ist so eng und dunkel, dass sich nur jeweils eine Person langsam vorantasten kann. Aber es lohnt sich. Das idyllische Wachhäuschen auf der Terrasse gibt ein prächtiges Fotosujet. Auf dem Weg zurück studieren wir ausgiebig die Beschreibungen der Burg und des Nationalparks, die auf einer grossen Tafel zu lesen sind. Da erfährt man viel Interessantes, z.B. dass das Kastell im 16. Jh. gebaut wurde. Jetzt müssen wir aber unbedingt ein kühles Bier haben. Gut, dass die Bar noch geöffnet ist.

Solchermassen gestärkt, steigen wir in unser Dinghy und machen uns auf den Rückweg zum Boot. Aber was ist denn das? Schon wieder treffen wir ein anderes Dinghy, dessen Motor nicht mehr laufen will. Diesmal sind es vier junge Kerle, die sich vergeblich abmühen. Nun, das ist für uns kein Problem, wir haben ja Erfahrung mit Abschleppen, also ziehen wir auch sie zurück zu ihrem Boot, welches ganz nahe von unserer Boje parkiert ist. Diesmal werden wir aufgefordert, an Bord zu kommen und ein Bier zu nehmen. Das lassen wir uns natürlich nicht zwei Mal sagen und nehmen die Einladung dankend an. Es handelt sich um einen Katamaran, den wir auch von innen besichtigen dürfen.

Kaum sind wir wieder an Bord unseres Bootes, schwimmt ein Mann zu uns und stellt fest, dass wir an „seiner“ Boje festgemacht haben. Nun, das ist ja nicht so schlimm, dann haben wir halt die Bojen getauscht, sein Boot ist nämlich an „unserer“ Boje festgemacht. Nach ein paar klärenden Worten begreift er die Situation und schwimmt wieder weg.

Jetzt ist es aber auch für uns Zeit, etwas zu Essen zuzubereiten. Die Smutjes schwingen die Pfannen und machen feine Spaghetti Carbonara.





Was will man mehr! Gutes Essen, ein Glas Wein und eine schon fast kitschige Abendstimmung. Perfekte Ferien! Wir diskutieren noch etwas über Gott und die Welt und lassen uns dann sanft in den Schlaf schaukeln…

Tagesweg: 14 Meilen

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N 39° 22' E 03° 13'

4. Tag (Dienstag) CABRERA – CALA D’OR

September 06, 2011

Wir geniessen den schönen Morgen selbstverständlich zuerst mit einem erfrischenden Bad im kristallklaren Wasser. Daraufhin ist das obligatorische Frühstücksbuffet an der Reihe. Dann verfüttern wir die Reste der Mahlzeit an die Fische. Sofort schwimmt ein grosser Schwarm um unser Boot herum. Auch eine Möwe setzt sich aufs Wasser und hofft auf einen Anteil. Aber die Fische sind viel flinker. Die Möwe hat keine Chance, ein Stück Brot zu ergattern, auch wenn wir es noch so nahe an ihren hungrigen Schnabel hinwerfen.



Ein Blick zur ruhigen Bucht hinaus sagt uns, dass draussen etwas Wind herrscht, also packen auch wir unsere Siebensachen zusammen und werfen um 1130 Uhr die Leinen los. Und tatsächlich, bei 3 Bft. lohnt es sich, alle Segel aufzuziehen. So fahren wir ruhig Richtung Mallorca zurück. Zuerst folgen wir der Küste von Cabrera, dann folgen noch ein paar kleinere Inseln, bevor wir uns allein im weiten Meer zwischen den Inseln wieder finden. Bald sind wir wieder an der Küste von Mallorca.

Cala d’Or hat mehrere Buchten, wir müssen zwischen den roten und den grünen Bojen hindurchfahren um zur richtigen Einfahrt zu kommen. Der Skipper war vor ein paar Jahren schon einmal hier und hat sich auf ein kniffliges Anlegemanöver im engen Hafen vorbereitet. Doch diesmal ist es anders. Ganz hinten in der Bucht wurde ein neuer Hafen ausgebaggert, der für uns Touristen gedacht ist. Und da sind die Platzverhältnisse wieder einiges komfortabler. Um 1715 Uhr legen wir an und werden von einem freundlichen Marinero begrüsst, der uns 73 Euro abnimmt und den Skipper mit viel Papierkram zudeckt. Hier treffen wir auch unseren alten Bekannten, den wir auf Cabrera abgeschleppt hatten. Er erkennt uns ebenfalls, macht aber immer noch keine Anstalten, uns ein – wohlverdientes – Bier anzubieten. Elendigliche, undankbare Touristen!

„Hunger!“ schallt es durch das Boot. Der Magen knurrt und wir entschliessen uns, einen kleinen Spaziergang zu machen um ein gutes Restaurant im Dorf zu finden. Das entpuppt sich als nicht ganz einfach, wir wollen schon aufgeben, aber da ist doch am Ende der Strasse eine interessante Tafel? Also gehen wir da hin und tatsächlich, hier beginnt der Teil des Ortes, den wir gesucht haben. Es gibt viele Restaurants, eines schöner als das andere. Und alle sind gut besucht. Da fällt die Auswahl schwer. Endlich entscheiden wir uns für eines mit dem klangvollen Namen „Barlovento“. Und da haben wir einen Glücksgriff gelandet. Selten so gut gegessen!

Nach einer kleinen Rauchpause schlendern wir weiter durch den Ort. Es gibt genügend Läden, wo alles gekauft werden kann, was Touristen so brauchen. Doch bald entscheiden wir uns, zur Feier des Tages in einem Restaurant ein Dessert zu nehmen. Es werden sehr grosse und sehr feine Coupes gebracht. Ein würdiger Abschluss des Abends.

Tagesweg: 23 Meilen

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N 39° 20' E 03° 11'

5. Tag (Mittwoch) CALA D’OR – CALA MONDRAGÒ

September 07, 2011

Auch heute haben wir es nicht eilig. Die Wetterprognosen sagen nur sehr wenig oder gar keinen Wind voraus. Deshalb entschliessen wir uns, die Cala Mondragò gleich nebenan zu besuchen. Das ist ein Naturschutzgebiet und wird als sehr schöner Ankerplatz beschrieben. Der Plan ist also, dass wir diesen Platz besuchen und wenn es uns gefällt, wollen wir bleiben. Ansonsten können wir immer noch weiter fahren.

Das heisst aber, dass wir nochmals selbst auf dem Boot kochen müssen. Deshalb machen wir uns auf den Weg zum Tante Emma Laden um unsere Vorräte zu ergänzen. Unser Metzger findet schöne Steaks. Das wird ein Festessen. Jetzt noch die Hafenbehörde angefunkt, damit uns das Depotgeld für die Dusche-Chips zurückgebracht wird, dann können wir losfahren. Auch heute ist es wieder Mittag geworden, aber das geht schon in Ordnung so. Wir sind ja schliesslich in den Ferien!

Wir hissen unsere Segel nicht, denn die Bucht ist ja wirklich gleich um die Ecke. Bald schon fahren wir vorsichtig hinein und der Skipper gibt den Auftrag, den Anker klar zu machen. Die etwas übermütige, voreilige Crew lässt aber den Anker sofort fallen („Ist doch ein schöner Platz hier“). Dadurch sind wir aber nicht an einer guten Position, wir wollen ja evtl. die Nacht hier verbringen. Also muss der Anker nochmals heraufgezogen und neu gesetzt werden. Diesmal klappt es und wir kümmern uns um unsere Lieblingsbeschäftigungen (Ankertrunk, Baden).

Die steile, felsige Küste lädt dazu ein, einen Sprung aus grosser Höhe ins Wasser zu wagen. Wir beobachten einige Springer und fragen uns, wie es wohl ist, die Felswand wieder hinaufzuklettern. Es ist auf jeden Fall ein interessantes Schauspiel. Einen von uns packt der Ehrgeiz und er schwimmt zum Strand. Das dauert, denn es ist doch noch ein gutes Stück, das er zurücklegen muss. Der kürzeste Weg führt durch einen natürlichen Felsentunnel, was ja nicht gerade alltäglich ist. Viel später kommt er von der anderen Seite der Bucht zurückgeschwommen. Er erzählt von einer sehr schönen Hotelanlage, etwas zurückversetzt vom Strand. Hier kann man herrlich Ferien machen. Vor dem Abendessen vertreiben wir uns die Zeit mit einem Jass. Etwas ungewohnt ist es schon, mit französischen Karten zu spielen, und das erst noch auf einem schaukelnden Boot. Aber das gilt ja für alle, so ist es wieder ausgeglichen.

Der Küchenchef macht die feinen Steaks bereit. Vorher muss er aber noch etwas beichten: beim genauen Betrachten des Fleisches nach dem Einkaufen hat er festgestellt, dass es so zerschnitten ist, dass wir heute keine Steaks, sondern Plätzli essen werden. Doch was ist das? Beim Auspacken stellt er fest, dass es auch keine Plätzli, sondern Rippli sind.  Macht doch alles nichts. Wir schneiden alles zurecht und zusammen mit Spaghetti und Spiegeleier haben wir wieder ein hervorragendes Nachtessen.

Jetzt geniessen wir den lauschigen Abend in vollen Zügen und wieder neigt sich ein fantastischer Ferientag dem Ende zu.

Tagesweg: 4 Meilen

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N 39° 21' E 02° 57'

6. Tag (Donnerstag) CALA MONDRAGÒ – SA RAPITA

September 08, 2011

Platsch! Herrlich, so ein Morgenbad in der grössten Badewanne gleich vor dem Bett! Und das nach einem Bilderbuch-Sonnenaufgang. So was von kitschig! Jetzt fehlt nur noch ein herzhaftes Frühstück. Aber nein, das fehlt eben nicht! Alles vorhanden, inkl. Spiegeleier – perfekt! Viel zu früh müssen wir diesen wundervollen Platz wieder verlassen. Um 1115 Uhr lichten wir den Anker und nehmen Kurs nach Westen. Leider müssen wir uns schon wieder auf den Rückweg machen. Und wieder müssen wir mangels Wind den Motor zu Hilfe nehmen.

Aufgrund von Beschreibungen und der Seekarte ist uns aber bekannt, dass unterwegs einige schöne Badeplätze anzutreffen sind. Und mindestens einen davon wollen wir besuchen. Den ersten Versuch brechen wir ab, da uns die Wassertiefe bei der Anfahrt irgendwann doch etwas zu knapp wird. Aber am zweiten Ort (Playa del Trench) landen wir einen Volltreffer. Das Wasser ist wie in der Karibik. Die Farben sind unbeschreiblich schön (smaragd, türkis, grün, blau in allen Schattierungen).

Obwohl unser Ziel, der Hafen von Sa Rapita (da waren wir schon ein paar Tage zuvor) nur ca. 2 Meilen entfernt ist, wollen wir trotzdem auch am heutigen Tag etwas Segelfeeling mitnehmen. So hissen wir wenigstens die Genua und lassen uns für das kurze Stück den Wind um die Ohren pfeifen. Schon um 1700 Uhr sind wir sicher im Hafen vertäut. Wir wollten auch nicht allzu spät hier sein, da es ein beliebter Ort ist für die letzte Nacht vor der Rückfahrt nach Palma. Da kann es jeweils am Donnerstag ziemlich voll werden. Da wir uns hier schon auskennen, gehen wir direkt zur Bar und zum nahen Laden. Wir müssen unbedingt unseren Biervorrat ergänzen. Auch Wein und etwas Knabberzeug gehen zur Neige. Ach ja, jemand braucht noch Cola.

Für das Nachtessen entscheiden wir uns, ein paar Schritte zu gehen und dem nahen Dorf einen Besuch abzustatten. Bald erreichen wir auch die Meerespromenade, wo einige Restaurants anzutreffen sind. Wir wählen eines aus, wo wir einen schönen Blick auf den Strand und den Sonnenuntergang werfen können und die Speisekarte verheissungsvoll aussieht. Einige möchten gerne Fisch essen und fragen nach dem Tagesangebot. Daraufhin verschwindet der Kellner und kommt etwas später mit einigen Fischen zurück, die er uns präsentiert und den Preis nennt. Wir wählen einen aus, der uns gefällt und der Kellner verschwindet wieder in der Küche. Kurz darauf kommt er wieder zurück und erklärt, dass seine Mama (die Chefköchin) gesagt hat, dass unser Fisch eigentlich für mindestens 3 Personen gedacht ist und somit nicht als Ganzes zubereitet wird. Überdies würde er etwas mehr kosten(!). Er könne uns aber je eine Portion dieses Fisches offerieren und nennt den Preis pro Person. Nun, wenn man diese Preise zusammenzählt ist der Fisch nochmals teurer geworden(!). Wir kapitulieren. Einer bestellt sich eine Pizza (es ist ja schliesslich eine Pizzeria), während sich ein anderer für eine Portion eines anderen Fisches entscheidet. Nun, die Pizza war jetzt wirklich nicht das Gelbe vom Ei und auch der Fisch musste zuerst unter einem riesigen Berg von Zwiebelringen ausgegraben werden…

Auf dem Rückweg zum Boot besuchen wir nochmals das Restaurant im Hafen und genehmigen uns zuerst einen Kaffe-Carajillo, gefolgt von einem Eis. Ja, und dann folgt natürlich der obligatorische Schlummertrunk auf dem Boot. Jetzt haben wir ja wieder genügend Tranksame an Bord. Während sich die einen bald einmal in die Kojen verkriechen, haben die anderen noch intensive politische Diskussionen, die bis in die Morgenstunden dauern.

Tagesweg: 19 Meilen

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N 39° 32' E 02° 42'

7. Tag (Freitag) SA RAPITA – CA’N PASTILLA

September 09, 2011

Heute steht die letzte Etappe zum Ausgangshafen an. Der letzte Tag auf See steht uns bevor. Jetzt nehmen wir zum letzten Mal das Frühstück auf dem Boot ein. Und um 1100 Uhr heisst es zum letzten Mal: Leinen los!

Wieder gibt es fast gar keinen Wind, und das obwohl wir Neptun die ganze Woche gut gefüttert haben. Da muss halt wieder der Motor helfen. Also tuckern wir der Küste entlang. Dabei müssen wir immer wieder auf Fischerboote aufpassen. Es gibt jede Menge davon. Trotzdem bleibt uns Zeit, die schroffen Felsen am Ufer zu bewundern. Einmal entdecken wir einen kleinen Privatstrand und eine steile Treppe. Sie führt die Felswand hinauf bis ganz nach oben. Hier sind einige Häuser gebaut. Da überlegt man es sich wohl genau, ob man wirklich ein Bad im Meer nehmen will. Wegen der  Kraxlerei muss doch sicher zuerst der innere Schweinehund überwunden werden. Andererseits hält das Treppensteigen fit. Ist doch auch was, oder?

Wir sind sehr früh dran, schon um 1500 Uhr legen wir an der Tankstelle an. Kurz vorher hat der Wind auch wieder eingesetzt, aber für das letzte Stück lassen wir trotzdem die Segel eingerollt.  Zum Ablegen von der Tankstelle ist nochmals gute Seemannschaft gefragt. Da wir auflandigen Wind haben, hilft nur eindampfen in die Vorspring und rückwärts wegfahren. Aber auch dieses Manöver wird ohne Probleme bewältigt. Ja, wir alle haben Fortschritte gemacht, was das Handling des Bootes betrifft. Das letzte Anlegen am Steg machen wir bereits fast wie Profis. Jetzt genehmigen wir uns das letzte Anlegebier und beobachten belustigt, wie die restlichen Crews zurückkommen und z.T. mit Ach und Krach und hektischer Nervosität versuchen, ihr Boot an den Platz zu bringen – Hafenkino vom feinsten.

Bald erscheint auch der Chef bei uns und wir können das Boot wieder zurückgeben. Welche Überraschung! Die Übergabe dauert höchstens 5 Minuten. Gleich zu Beginn wird die Kaution zurückgezahlt, noch bevor überhaupt die  Checkliste abgehakt wurde (die wird auch gar nicht erst bemüht). Nur noch schnell die Kontrollfrage: „Gibt es etwas, das nicht gut war?“ und schon ist die ganze Prozedur vorbei – fast nicht zu glauben. Entweder hat der Chef gute Menschenkenntnis und weiss, dass wir dem Boot Sorge getragen haben, oder er hat uns beim Manövrieren beobachtet und daraus die richtigen Schlüsse gezogen. Oder beides. Uns soll es recht sein.

Da wir schon so früh mit allem fertig sind, montieren wir nochmals die Badehosen und marschieren zum nahen Sandstrand. Nochmals im seichten, warmen Wasser herumplanschen. Nochmals den feinen Sand unter den Füssen fühlen. Nochmals ein paar Sonnenstrahlen einfangen. Nochmals einen kühlen Drink an der Strandbar. Herrlich! Zum Abschluss des Tages schlendern wir dem Strand entlang auf der Suche nach einem Restaurant. Es gibt viele davon, aber alle sind eher auf kleine Snacks ausgerichtet. Deshalb dauert es sehr, sehr lange und einige Kilometer Fussmarsch, bis wir etwas finden, das uns zusagt. Wir geniessen den lauen Abend in vollen Zügen.

Nach dem Nachtessen entschliessen wir uns, noch ein paar Schritte weiter zu gehen, da wir schon die Region „Ballermann“ erreicht haben. Vorbei geht es an typisch spanischen Bars und Restaurants mit wohlklingenden Namen wie „Grill Meister“ oder „Bayrischer Biergarten“. Diese deutsche Bierseligkeit ist aber nicht gerade nach unserem Geschmack. Vielleicht sind wir auch einfach etwas müde vom wirklich langen Marsch (wie viele Schritte waren noch gleich auf dem Handy-Schrittzähler?). Deshalb rufen wir uns ein Taxi und machen uns auf den Rückweg zum Boot. Wir haben ja noch Getränke, die wir aufbrauchen können…

Tagesweg: 20 Meilen

Total in dieser Woche: 103 Meilen, davon 37 Meilen unter Segel und 66 Meilen mit Motor

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N 39° 32' E 02° 42'

8. Tag (Samstag) CA’N PASTILLA – ZÜRICH

September 10, 2011

Schon um 0800 Uhr müssen wir das Boot räumen, damit die Putzmannschaft ihres Amtes walten kann. Deshalb müssen wir sehr früh aus den Federn. Dafür schenken wir uns die Zubereitung des Frühstücks und gehen in das nächste Café. Das Gepäck lassen wir im Hafen, denn unser Flug geht erst am Abend um 1735 Uhr.

Heute wollen wir die Stadt Palma erkunden. Wir nehmen also ein Taxi und fahren zur Kathedrale. Da fahren die Touristenbusse für eine Stadtrundfahrt los. Wir haben Glück und sind die ersten, die einsteigen. So können wir die besten, vordersten Plätze im ersten Stock ergattern. Da hat man die beste Aussicht. Die Informationen erhalten wir über Kopfhörer. Wir fahren durch verschiedene Quartiere, auch solche die weiter entfernt von der Altstadt sind. Selbst auf den Hausberg zum Castell de Bellver geht die Fahrt. Auf dem Rückweg besuchen wir den Hafen, und zwar den Platz, wo die ganz grossen Kreuzfahrtschiffe anlegen. Sehr beeindruckend. Jetzt sind wir wieder bei der Kathedrale und entschliessen uns, diese auch von innen zu besichtigen. Etwas ungewöhnlich ist es schon, dass Eintritt in das Gotteshaus verlangt wird. Aber es lohnt sich. Das Kirchenschiff ist riesig. Die farbigen Fenster und die grosse Rosette (Durchmesser 11.15 m) lassen viel Licht herein. Am Boden sind immer wieder Grabsteine anzutreffen, manchmal sogar mit einem Totenkopf als Verzierung. Das ist schon ungewöhnlich. Aber am meisten beeindruckt eine der vielen Kapellen in den Seitenschiffen. 2007 hat der mallorquinische Künstler Miquel Barcelò die Allerheiligstenkapelle geschaffen. Es handelt sich um eine Keramikarbeit, die die wundersame Vermehrung des Brotes und der Fische darstellt – ganz speziell.

So, genug der Kultur! Wir schlendern noch etwas durch die Gassen, genehmigen uns einen Imbiss und müssen uns schon wieder auf den Rückweg machen. Das Taxi bringt uns zunächst zurück zum Hafen, wo wir das Gepäck abholen. Beim Vorbeigehen stellen wir fest, dass „unsere SEDNA“ bereits ausgelaufen ist. Da hat es wohl jemand sehr eilig gehabt.

Noch ein letztes Bier im Flughafen und schon sind wir in der Luft. Die Route, die der Pilot einschlägt führt uns nochmals über all die Orte, die wir in dieser Woche besucht haben. Sehr gut kann man Palma, Cabrera, Sa Rapita, Cala d’Or, sogar Cala Mondragò erkennen. Und es geht nicht lange, da sind wir schon über den Alpen. Das Matterhorn sticht aus allen Bergen heraus und aufgrund der Seen kann man etwas Schweizer Geografie studieren. Mit einer kleinen Verspätung landen wir in Zürich, diesmal sogar an einem Fingerdock – wow! Schon ist diese Super Woche vorbei. Vielleicht gibt es ja bald eine Wiederholung?

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