Ein Jahr unterwegs mit der Volare
Tag 342+343: Überfahrt nach Menorca Tag 5+6, Cala Santandria, Menorca
June 22, 2012
Am Donnerstag ist den ganzen Tag recht schönes Wetter, es ist nicht mehr ganz so feucht, und den ganzen Tag haben wir Sonnenschein und nur leichten Wind aus Westsüdwest. Noch in der Nacht waren wenig Schiffe in unserer Nähe, und ich kann immer wieder ein bisschen schlafen, während AIS und Radar die Wache übernehmen. Platt vorm Wind kann unser Passatsegel sich auch so richtig entfalten und zeigen, was es kann. Um jedoch möglichst schnell weiter zu kommen, lassen wir die Maschine zusätzlich laufen – wir würden ja gerne nur möglichst kurz den ab Freitag angedrohten, stärkeren Wind von vorne haben, und auch wenn möglich noch am Freitag vormittags in der Cala Santandria auf Menorca (südlich von Ciutadella) ankommen. Diese recht hübsche Bucht, die wir ja schon vergangenes Jahr besucht haben, ist ziemlich eng und gegen Abend mit Schiffen oft überbelegt. Insbesondere da in den nächsten Tagen das Johannisfest mit den berühmten Reiterspielen in Ciutadella viele zusätzliche Besucher anziehen wird. In der Cala Santandria werden ab Sonntag dann auch meine Schwester und mein Schwager eine Woche Urlaub machen, und wir planen ein paar gemeinsame Ausflüge. Mit den beiden an Bord wollen wir dann auch die Küste von Menorca ein bisschen näher anschauen. Gegen Abend erreichen wir dann auch schon die Inseln von Cabrera südlich von Mallorca, wo wir unseren Kurs nach Nordosten ändern, ab jetzt geht es entlang der Küste von Mallorca direkt nach Menorca und zur Cala Santandria. Leider haben wir in der Nähe von Mallorca wieder deutlich mehr Schiffsverkehr, was wieder wenig Schlaf bedeutet. Noch kommt der Wind aber aus achterlichen Richtungen und mit Maschinenunterstützung kommen wir recht gut weiter.
Bis Mitternacht (UTC+2) haben wir dann auch 139 sm zurück gelegt, das entspricht einem Schnitt von fast 6 kn.
Am Freitag dreht der Wind bereits kurz nach Mitternacht um 180 Grad. Zunächst ist er noch recht schwach, zwischen 5 und 10 kn. Das ändert sich dann aber recht rasch, und wir haben bald 10 – 15 kn und gegen Morgen dann 15 – 20 kn – teilweise auch über 20 kn, die genau aus der Richtung kommen, in die wir wollen. Der Wind hält sich anscheinend recht genau an die Prognose, und wir sind froh, dass es nicht mehr weit nach Menorca ist. Durch den kräftigen Wind haben wir auch entsprechende Wellen von vorne, die die Volare ordentlich lärmen und stampfen lassen. Ungemütlich. Das Wetter ist allerdings sehr schön- keine Wolke am Himmel und Sonnenschein. Ziemlich genau um 10:00 Uhr haben wir es dann aber geschafft und biegen in die Cala Santandria ein, wo der Wind gleich deutlich nachlässt und das Meer ruhig ist. Ein Großteil der Hauptbucht (eigentlich hat die Bucht drei Teile, zwei kleinere Buchten im Norden und eine größere, langgestreckte, schmale Hauptbucht nach Südosten) ist mit Bojen abgesperrt – eine schmale Wasserstraße führt hinein zum Badestrand, wo auch die Hotels sind. Links der Wasserstraße ist eine Schwimmzone eingerichtet und rechts sind Liegeplätze für die Schiffe der Einheimischen vorgesehen. Vor dem abgesperrten Bereich der Bucht liegen glücklicherweise nur wenige andere Schiffe, die mit Landleinen recht dicht am Ufer festgemacht haben, sodass wir uns mitten in der Bucht einankern können. Am Nachmittag wird das Dingi hergerichtet und auch wir legen uns mit einer Landleine dicht ans Ufer – die Felsküste fällt hier recht steil ins Meer ab. Dann fahren wir zum Strand hinüber, Müll los werden und einkaufen. Der Einkauf wird in dem kleinen Spar-Supermarkt erledigt, den wir schon von unserem letzten Besuch kennen, und nach unserer Rückkehr zur Volare geht es dann für mich recht schnell in die Koje – Schlaf nachholen.
Von Mitternacht bis zu unserem Eintreffen in der Cala Santandria um 10:00 haben wir wegen des Gegenwindes dann auch nur 47 sm zurückgelegt. Von Gibraltar hierher waren es insgesamt 524 sm, für die wir ca. 4 Tage und 13 Stunden gebraucht haben (ohne die Pause in der Bucht von Puerto Genoves), bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 kn.

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