Ein Jahr unterwegs mit der Volare

N 32° 22' W 64° 40'

Tag 298+299: Überfahrt nach Bermuda Tag 7+8

May 09, 2012

Am Dienstag können wir in der Nacht noch ganz gut segeln – wir kommen hart am Wind allerdings nur langsam weiter. Am Morgen frischt der Wind etwas auf, leider dreht er wieder nach Nord, sodass wir unseren Kurs nach Bermuda nicht halten können, sondern ein paar Grad nach Westen ausweichen müssen. Am AIS sehen wir wieder einen Verfolger – es dürfte ein kleiner Segler sein, den wir schon ein paar Mal in der Karibik getroffen haben. Eigentlich sollte der Wind laut Prognose (von heute früh) langsam auf Ost drehen – er denkt aber nicht daran. Nachdem wir aber schon einige Meilen von unserem Kurs abgewichen sind, werfen wir die Maschine an und räumen die Segel weg. Auch ohne Schräglage schaukeln uns die die ca. 2 – 3 m hohen Wellen ohnehin genug, und für’s Mittagessen ist es angenehmer, nicht alles die ganze Zeit so sehr festhalten zu müssen. Mit der Maschine und dieselsparender Drehzahl kommen wir gegen Wind und Welle nicht so richtig weiter. Gegen Abend dreht der Wind ja dann doch auf Ost – die Segel werden ausgerollt und die Maschine abgeschaltet – es geht schön dahin. Es ist auch den ganzen Tag trocken geblieben, gering bewölkt mit viel Sonne – allerdings empfindlich kühl (na ja, alles ist relativ, nach fast fünf Monaten Karibik noch etwas relativer). Später dreht dann der Wind sogar noch ein bisschen nach Süden, ganz gemäß der Prognose, und wir können weiter (halbwegs) ruhig segeln. Wir haben bis Mitternacht dann auch nur 108 sm zurückgelegt, das entspricht einem Schnitt von 4,5 kn.

Am Mittwoch geht es in der Nacht und am Vormittag recht gut mit dem Segeln weiter, wir haben ca. 15 kn Wind aus Ost bis Südost. Am Morgen kommt dann auch schon die Südspitze von Bermuda in Sicht – das Wetter ist sehr schön, kaum Bewölkung, aber sehr kühl. Der Funkkontakt mit Bermuda Harbour Radio funktioniert recht gut, nur unsere Vorabinformationen (per Mail und per Internet) sind nicht auffindbar bzw. nicht angekommen. Ich muss also die ganzen Detaildaten (Rufzeichen, MMSI, Marke und Kapazität der Rettungsinsel, EPIRB-Type und Registrierungsnummer, etc., etc.) nochmal per Funk durchgeben. Sobald wir die Einfahrt zum Hafen von St. George’s erreicht haben, sollen wir uns nochmals melden, ob die schmale Durchfahrt auch frei ist, oder ob gerade ein Kreuzfahrtschiff die gesamte Breite benötigt. Frühstück gibt es angesichts der fast arktischen Temperaturen (alles relativ…) in der Kajüte. Erst vor der Hafeneinfahrt, die wir um ca. 11:00 erreichen, werden die Segel weggeräumt und die Maschine angeworfen. Von Harbour Radio erfahren wir per Funk, dass die Durchfahrt frei ist, und wir sollen gleich zum Zollanleger fahren um einzuklarieren. Das Anlegen dort klappt dann auch recht gut, und der Papierkram kann erledigt werden. Sowohl der Funkverkehr als auch das Einklarieren läuft in einer sehr freundlichen, lockeren Atmosphäre ab – überall werden wir willkommen geheißen und man wünscht uns angenehmen Aufenthalt, beim Zoll bekommen wir dann auch noch ein Paket mit sehr brauchbaren Informationen (Stadtplan, etc.). So etwas sind wir gar nicht mehr gewohnt. Danach suchen wir uns einen Ankerplatz in der Bucht vor St. George’s. Unser Anker hält beim zweiten Versuch zufriedenstellend, wir richten gleich das Dingi her und fahren zum bequemen Dingianleger direkt vor dem Stadtzentrum hinüber. Der Ort macht mit seinen alten, schön hergerichteten Häusern einen sehr sauberen, aufgeräumten Eindruck – very British. In einem der Restaurants bestellen wir uns dann ein verspätetes Mittagessen, zuerst sitzen wir draußen in der Sonne, was uns aber trotz Jacken zu kühl wird, worauf wir hinein übersiedeln. Anschließend wird die Stadt ein bisschen erforscht. Es scheint tatsächlich alles recht teuer zu sein, aber wir werden ja nur das Notwendigste einkaufen. Nachdem wir wieder zurück an Bord sind, wird es noch recht gemütlich – drinnen in der Kajüte. Leider soll es die nächsten Tage ziemlich schlechtes Wetter geben – kräftiger Wind, Regenschauer, Gewitter und dazwischen Nebel. Wir haben bis zur Hafeneinfahrt seit Mitternacht noch genau 60 sm zurückgelegt, das entspricht einem Schnitt von über 5 kn. Insgesamt war die Überfahrt 850 sm lang, und wir haben genau sieben Tage und eine Stunde benötigt.

previous entrynext entry

Comments

Please sign-in to post a comment.

If you are not yet registered please Register Now.