Ein Jahr unterwegs mit der Volare

N 36° 18' E 14° 49'

Tag 366+367: Valletta, Grand Harbour Marina, San Giljan, Malta

July 16, 2012

Am Sonntag beginnt nach einer heißen Nacht der Morgen mit Glockenläuten (Kirchen gibt es ja genug), Kanonendonner, Schüssen und Feuerstößen aus automatischen Waffen – die Bewohner Vallettas scheinen seit ihrer erfolgreichen Abwehr der Türkenbelagerung nicht mehr aufhören zu können, herumzuballern – das Abfeuern von Kanonen und Musketen wird ja auch als Attraktion für Touristen angeboten. Nach dem Frühstück organisieren wir uns dann ein Wassertaxi, das uns hinüber auf die gegenüberliegende Landzunge nach Valletta bringen soll. Das stellt sich als gar nicht so einfach heraus – am Sonntag scheint hier wirklich nicht viel los zu sein. Schließlich bringt uns dann doch ein kleines Schiffchen hinüber, und wir landen beim “Victoria Gate” – überall beeindruckend hohe und dicke Stadtmauern und Befestigungsanlagen. Zuerst geht es über steile Gassen zur Hauptstraße hinauf, wo in der St. John’s Co-Cathedral (ja, die haben hier zwei Kathedralen) gerade eine Messe stattfindet, wir also nur kurz hinein können – alles voller Marmor, Gold und reichhaltigster Innenausstattung. Als nächstes wäre der Großmeisterpalast am Programm, vor dem gerade eine Wachablöse inszeniert wird. Der Palast ist auch nur teilweise geöffnet, wir sehen uns also nur in den Innenhöfen um (die Neptunstatue aus Bronze ist berühmt). Dann geht es weiter durch die festlich geschmückten Straßen zum Fort St. Elmo an der Spitze der Halbinsel – sollte laut Auskunft geöffnet haben, ist aber trotzdem geschlossen. Am Weg zurück zu den inneren Stadttoren, etwa in der Mitte der Halbinsel, schauen wir noch beim berühmten Manoel-Theater vorbei, auf den Besuch der prunkvollen Innenräume verzichten wir, sondern genehmigen uns eine kleine Erfrischung vor dem Eingang (es ist sehr, sehr, sehr heiß). Dort erfahren wir auch den Grund für die festliche Dekoration der Straßen und die Musikkapelle, die gerade vorbei marschiert – es ist ein Festtag zu Ehren der Maria von Karmel – der auch die nahe gelegene Kirche geweiht ist. Als Nächstes besuchen wir das Archäologische Museum, das in dem für die Ritter der Provence erbauten Palast untergebracht ist. Dort sind wirklich interessante Fundstücke aus der prähistorischen Zeit ausgestellt – auch die “Fat Persons” sieht man hier, die nach wie vor Rätsel aufgeben. In der Nähe des Stadttores ist dann wieder eine Mega-Baustelle, weite Teile sind abgesperrt, aber schließlich finden wir auch den prunkvollen Palast der Ritter von Kastilien, Leon und Portugal (auf Valletta gibt es nur mehr sieben Ritterpaläste – auf Birgu waren die Ritter aus den verschiedenen Ländern in ursprünglich acht so genannten “Auberges” untergebracht). Der Palast ist heute Sitz des Ministerpräsidenten. In seiner Nähe liegen die oberen “Baracca-Gardens” von wo man einen herrlichen Überblick über den Hafen hat. Von dort geht es dann wieder hinunter zum Victoria Gate, wo wir uns mit einigen Schwierigkeiten ein (inoffizielles) Wassertaxi organisieren. Zurück in der Marina besuchen wir dann noch das “Maritime Museum”, welches direkt bei unserem Liegeplatz zu finden ist – viele alte Schiffsmodelle gibt es hier, alte nautische Instrumente, etc. – recht schön. Dann sind wir ziemlich geschafft und warten nur mehr auf den Sonnenuntergang und ein bisschen Abkühlung, bevor es wieder in das nette Restaurant geht, wo wir gestern schon recht zufrieden waren. Zurück an Bord begrüßt uns wieder unsere Bordzikade, die sich irgendwo im Bereich des Vorschiffs verkrochen hat und sich anscheinend wohl fühlt bzw. nicht mehr heraus findet.

Am Montag gehen wir gleich nach unserem mit Kanonendonner und MG-Salven garnierten Frühstück hinauf nach Birgu (heute meist Vittoriosa – weil die Festung St. Angelo den Türken erfolgreich Widerstand geleistet hat, bis diese wieder abzogen), um ein bisschen einzukaufen – hauptsächlich Brot, Obst und Gemüse – wir wollen ja heute noch nach Syrakus an der Ostküste Siziliens aufbrechen. Zurück am Schiff füllen wir dann noch unsere Wassertanks, und dann geht es zum Marinabüro bezahlen. Die Rechnung zeigt deutlich, dass die Vergangenheit der Insel als gefürchtetes Piratennest hoch gehalten wird – der Liegeplatz für unser ja nicht so großes Schiffchen kostet pro Tag über einhundert Euro – Wasser und Strom sind natürlich extra zu bezahlen. Aber dafür hatten wir ja auch die Ehre, neben ein paar Megajachten im schmutzigen Wasser liegen und dem Kanonendonner lauschen zu dürfen. Nachdem wir das Seeräubernest namens Grand Harbor Marina verlassen haben, geht es zuerst hinüber auf die andere Seite von Valletta in die Bucht von Marsamxett, wo die Tankstelle ist. Dort klappt alles recht gut. Vor der Überfahrt nach Syrakus (für die etwas über 80 sm dorthin rechnen wir etwa 16 Stunden, also werden wir gegen Abend abdampfen, um am Vormittag dort anzukommen) planen wir noch einen Badestopp in einer der Buchten im Norden von Valletta. Wir ankern uns schließlich in der von hohen Wohnhäusern und Hotels umgebenen kleinen Bucht von San Giljan ein und haben hier sogar Internet und ein bisschen Abkühlung im halbwegs sauberen Wasser. Am früheren Abend wird dann der Anker gelichtet und bei kräftigem Wind aus Nordwest können wir recht schön segeln – allerdings kommen die Wellen auch von der Seite und lassen uns kräftig schaukeln. Teilweise haben wir über 25 kn Wind – deutlich mehr als es der Wetterbericht prophezeit hat – über NAVTEX gab es allerdings auch schon Hinweise auf Wind mit 6-7 Beaufort. Leider dreht der Wind etwas später dann nach Nord und weiter nach Nordnordost – kommt uns also genau auf die Nase, wird aber glücklicherweise etwas schwächer. Also werden die Segel weggeräumt und die Maschine eingeschaltet. Es wird dann auch eine recht unruhige Nacht – die Wellen schütteln uns weiterhin recht kräftig durch, und die vielen Schiffe, die hier unterwegs sind, lassen nur wenige, kurze Schlafpausen zu – auch die Bordzikade, die anscheinend aus Malta auswandern will, ist die ganze Nacht emsig am Zirpen.

Bis Mitternacht haben wir dann in ca. 7 Stunden nur etwa 30 sm zurückgelegt. Positionsmeldung von Montag 24:00 (UTC+2).

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