Ein Jahr unterwegs mit der Volare
Tag 344+345: Cala Santandria, Ciutadella, Menorca
June 24, 2012
Am Samstag wird erst einmal lang geschlafen und nach dem Frühstück die Volare ein bisschen geputzt – das Deck ist noch immer mit rotem Staub bedeckt, und die Mischung mit den Salzkrusten ist nicht leicht weg zu kriegen. Das Wetter ist weiterhin herrlich und auch die lokale Wetterprognose sagt für die nächste Woche nichts als Sonnenschein, und bei leichtem Wind die ganze Zeit Badetemperaturen voraus. Ideale Voraussetzungen für eine richtige “Urlaubswoche”. Am Nachmittag verladen wir dann unsere Fahrräder in das Dingi und bringen sie an Land – wir wollen die recht kurze Strecke nach Ciutadella hinüber fahren und uns dort ein bisschen umsehen – auch die Festivitäten zur Johannisfeier sollten schon voll im Gang sein. Nach Ciutadella ist es wirklich nicht weit und die Innenstadt ist für das Fest großräumig für den Verkehr gesperrt. Auf der Placa del Born, wo die Reiterspiele ihren Höhepunkt haben sollen, ist schon ziemlich viel los. Auf allen Bänken, Treppenstufen und allen Rasenflächen sitzen und liegen schon Heerscharen von Spaniern, hauptsächlich Jugendliche. Auf dem Platz werden Tribünen aufgebaut und das lokale Fernsehen hat zahlreiche Kameras und Übertragungswagen installiert. Überall werden T-Shirts und Halstücher mit St. Joan-Aufdruck angeboten und anscheinend auch gut verkauft. Wir parken unsere Räder am Rand des Platzes (was wir noch bereuen sollen) und spazieren durch die Innenstadt – überall ziehen schon große Gruppen von Spaniern durch die engen Gassen, die für die Pferde teilweise mit Sand beschüttet worden sind. Die meisten Auslagenscheiben der Geschäfte sind mit Brettern und Spanplatten verkleidet – es dürfte wohl im Zusammenhang mit dem Fest auch zu Ausschreitungen kommen, während die Restaurants und Bars vermutlich das Geschäft des Jahres machen. Der Höhepunkt des Festes sollte ab 18:00 auf dem Platz stattfinden – es ziehen aber schon vorher Reitergruppen durch die Straßen, die ihre Pferde sich immer wieder aufbäumen lassen, was von den Zuschauern bejubelt wird. Schließlich wird die Menschenmenge am Platz so dicht gedrängt, dass man sich kaum mehr bewegen kann – und die Reiter dazwischen, die ihre Pferde sich aufbäumen lassen, direkt vor den Zuschauern – dass es da anscheinend nur selten zu Verletzungen kommt, ist ein Wunder, und die Pferde können einem richtig leidtun. Uns reicht es jedenfalls, und wir versuchen zu unseren Fahrrädern durchzukommen , was nicht einfach ist. Die Fahrräder sind schon etwas ramponiert – wurden natürlich mehr als einmal umgeworfen. Aber schließlich gelingt es uns den Massen zu entkommen und den Heimweg anzutreten – wir werden den für morgen geplanten Höhepunkt des Festes sicher nicht mehr erleben. Zurück in Santandria genehmigen wir uns noch ein kleines Abendessen im Hotel “Bahia”, wo morgen meine Schwester und mein Schwager logieren werden – ist recht gut, aber auch nicht so richtig preiswert. Zurück an Bord (unsere etwas reparaturbedürftigen Räder lassen wir am Ufer) machen wir uns dann noch einen gemütlichen Abend.
Am Sonntag ist das Wetter weiterhin prachtvoll, nur ganz dünne Bewölkung, die Sonne scheint und es gibt kaum Wind. Das Wasser ist so ruhig und klar, dass man jeden Seegrashalm am Grund erkennen kann. Die Bucht füllt sich zusehends mit Wochenendgästen, langsam wird es recht eng, aber alle liegen brav mit Landleine, sodass relativ viele Schiffe in der schmalen Bucht Platz haben. Man kann auch sehr dicht am Ufer liegen, weil die Felsküste recht steil ins Meer hinein abfällt. Am Nachmittag kommt dann mein Schwager entlang des Ufers zu uns heraus – das vereinbarte Telefongespräch mit meiner Schwester hat nicht funktioniert, aber die beiden sind heil in ihrem Hotel angekommen. Nachdem ich meine Schwester auch aufs Schiff geholt habe, sitzen wir noch gemütlich im Cockpit beisammen, bevor wir zu einem gemeinsamen Abendessen ins Hotel der beiden aufbrechen. Das Abendessen wird sehr gut, und wir genießen die herrliche Aussicht von der Terrasse über die Bucht und zum Sonnenuntergang. Erst nach Einbruch der Dunkelheit kehren wir dann zur Volare zurück und kriechen auch bald in die Kojen.

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