Ein Jahr unterwegs mit der Volare

N 38° 15' E 00° 43'

Tag 340+341: Puerto Genoves, Überfahrt nach Menorca Tag 3+4

June 20, 2012

Am Dienstag scheint das Schlechtwetter vorbei zu sein – in der Nacht hat es noch ein ordentliches Gewitter gegeben, und am Morgen ist alles nass und von rosa Staub bedeckt – ein Gruß aus der Sahara. Nach dem Frühstück wird erst einmal die Genua notdürftig repariert – der UV-Schutzstreifen hat sich auf mehreren Metern Länge gelöst – dürfte nicht sehr gut genäht gewesen sein, der Stoff selbst ist jedenfalls noch ganz fest. Die Reparatur wird provisorisch mit Klebeband erledigt – ich habe aber nicht genug Band für die ganze Länge. Der UV-Schutzstreifen muss von einem Segelmacher nachgenäht werden – bis dahin ist die Genua nur für ganz leichten Wind zu gebrauchen. Während ich mit der Genua beschäftigt bin, hat Sybille das Cockpit vom roten Staub befreit – der Rest des Schiffes, das wir in Gibraltar so schön geputzt hatten, bleibt zunächst rosa. Gegen Mittag lichten wir dann den Anker und machen uns wieder auf den Weg nach Formentera. Der Wind hat sich total beruhigt, es hat die in der Prognose angekündigten rund 5 – 10 kn. Das Meer ist auch recht friedlich, nur ein bisschen Schwell kommt von Osten, der Himmel ist ziemlich trüb aber die Sonne kommt durch. Es wird heute also eine recht ruhige Motorbootfahrt, zunächst entlang der Küste, später überqueren wir den “Golfo de Mazarron”, erst morgen in der Früh kommen wir bei Cartagena wieder in die Nähe der Küste, wo wir uns dann vom spanischen Festland verabschieden. Wir sind recht langsam unterwegs, weil wir nicht noch in der Nacht auf Donnerstag in Formentera ankommen wollen, sondern erst bei Tageslicht. Am Nachmittag besuchen uns wieder zahlreiche Delphine und spielen recht lang mit der Volare, bis sie schließlich dann doch die Lust verlieren. Den ganzen Tag haben wir kaum Wind – mal von vorne, mal von hinten, die Maschine läuft ununterbrochen. Seit wir die recht hübsche, ziemlich einsame Bucht von Puerto Genoves verlassen haben, haben wir in ca. 12 Stunden bis 24:00 (UTC+2) dann auch nur 55 sm zurück gelegt, das entspricht einem Schnitt von etwas über 4,5 kn.

Am Mittwoch beginnt der Tag wieder mit sehr feuchtem, dunstigem Wetter, wenig Wind und ruhigem Meer. Wir fahren weiter nur mit der Maschine und lassen uns Zeit. Am Nachmittag werden dann drei Kanister Diesel in den Haupttank umgefüllt, damit unser Maschinchen auch genug Futter hat. Später holen wir uns dann den Wetterbericht – für Donnerstag wird noch wenig Wind aus Süd bis West angekündigt, in der Nacht zum Freitag scheint sich aber eine richtige Mistrallage auszubilden, bei der ein Hochdruckgebiet über Frankreich den Wind mit über 30 kn aus dem Golfe du Lion Richtung Süden blasen lässt, wobei der Wind bei den Balearen dann nach Nordosten dreht. Nachdem wir eigentlich am Freitag von Formentera hinüber nach Menorca fahren wollten, wäre das wieder einmal heftiger Wind auf die Nase. Über NAVTEX prognostiziert Spanien für Donnerstag bis Mitternacht: MENORCA-W 3-4 BECOMING SW AT FIRSTINCR N 4-5 LOCALLY 6 IN NORTH AT END. Wir beschließen daher, auf den Zwischenstopp in Formentera zu verzichten, um möglichst schnell nach Menorca zu kommen, bevor der Wind unangenehm wird. Nachdem unsere etwas lädierte Genua für stärkere Winde ungeeignet ist, wird sie gegen unser Passatsegel ausgetauscht, damit der Schaden nicht noch größer wird. Das relativ ruhige Meer und der wenige Wind sind dafür ja gute Voraussetzungen, trotzdem ist es eine ziemliche Plackerei. Wir haben gerade rechtzeitig die Segel gewechselt, denn der Wind nimmt gegen Abend deutlich zu, und wir können sogar die Maschine abschalten und ein bisschen segeln. Bis Mitternacht haben wir wegen unserer Bummelei am Vormittag auch nur 109 sm zurück gelegt, das entspricht einem Schnitt von etwa 4,5 kn. Positionsmeldung von Mittwoch 24:00 (UTC+2).

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