Ein Jahr unterwegs mit der Volare
Tag 338+339: Überfahrt nach Formentera Tag 1+2, Puerto Genoves
June 18, 2012
Am Sonntag melden wir uns gleich nach dem Frühstück bei der Marina ab, bezahlen die Rechnung und werfen auch schon die Leinen los. Zunächst geht es durch die weitläufigen Hafenanlagen aber noch zur Tankstelle in der Nähe des Flughafens. Die Wetterprognose für die nächsten Tage zeigt sehr wenig Wind aus wechselnden Richtungen für die Überfahrt nach Formentera an. Wir müssen mit viel Motorbootbetrieb rechnen, also wird bei der Tankstelle dann nicht nur der Haupttank gefüllt, sondern auch zusätzlich noch drei Kanister. Beim Verlassen der Bucht von Gibraltar müssen wir dann auf ein gerade einlaufendes Kriegsschiff warten – scheint ein ganz moderner Aufklärer zu sein, mit seltsam geformten, riesigen Antennen, aber wenig Bewaffnung. Die Militärpolizei fährt von Schiff zu Schiff – alle müssen ihre augenblickliche Position halten, bis das Kriegsschiff vorbei ist. Dann geht es aus der Bucht hinaus – auch in der Straße von Gibraltar ist kaum Wind, die Sonne scheint, und der Himmel ist wolkenlos. So bleibt es dann auch den ganzen Tag. Wie schon das letzte Mal ist das Mittelmeer in der Nähe von Gibraltar dicht mit Großschiffen gepflastert, die entweder auf die Durchfahrt warten oder hier auf Reede liegen. Selbst in einiger Entfernung von Gibraltar liegen noch Schiffe auf Warteposition – gut, dass man über AIS erkennt, dass die meisten sich nur treiben lassen oder vor Anker liegen. Aber wir kommen ohne Probleme zwischen den Schiffen vorbei. Die Wetterprognose stimmt wieder einmal – die wenigen Segelversuche die wir starten, werden mangels Wind bald abgebrochen, und unser treues Maschinchen brummt die ganze Zeit vor sich hin. Das Meer ist den ganzen Tag sehr ruhig, und die ins Mittelmeer hineinlaufende Strömung hilft uns auch ein bisschen weiter zu kommen. Gegen Abend trübt es sich dann ziemlich ein, über dem Meer bildet sich dünner Nebel, und alles wird recht rasch sehr feucht. Angesichts des ruhigen Wetters wird dann fürs Abendessen etwas aufwändiger gekocht – es gibt einen Kartoffel-Broccoli-Tomaten Auflauf mit geröstetem Speck und viel Zwiebel, mit Käse überbacken – wird recht gut. In der Nacht kommen wir dann nur mehr an wenigen wartenden Großschiffen vorbei. Seit wir Gibraltar verlassen haben, haben wir in ca. 13,5 Stunden bis 24:00 (UTC+2) 71 sm zurück gelegt, das entspricht einem Schnitt von etwas über 5 kn.
Am Montag ist in der Nacht noch immer ziemlicher Schiffsverkehr, und es gibt recht wenig Schlafmöglichkeiten. Am Morgen ist es dann wieder sehr feucht, alles ist nass vom Tau, und den ganzen Tag über haben wir sehr trübes Wetter, man sieht die Sonne kaum durch den Wolkenschleier. Am Vormittag ist wieder sehr wenig Wind – genau von vorne, also etwa Ostnordost. Das Meer ist fast spiegelglatt – etwas, das man am Atlantik nie hat. Die Maschine läuft mit dieselsparender Drehzahl, bringt uns aber trotzdem recht gut voran. Da wir uns nicht weit vor der spanischen Küste befinden, begegnen wir auch zahlreichen Fischerbooten. Auch Delphine bekommen wir wieder zu Gesicht, allerdings interessieren sie sich nicht für uns. Am Nachmittag wird der Wind dann recht plötzlich immer kräftiger – vorher hatten wir um die 5 kn – auf einmal sind es 10 – 15 kn, die uns auf die Nase blasen, kurze Zeit später werden es 20 – 25 kn, und wir kommen nur mehr sehr langsam voran. Also versuchen wir es mit den Segeln und machen erst einmal einen Kreuzschlag aufs Meer hinaus. Der Wind legt noch mehr zu – wir haben jetzt konstant zwischen 25 und 30 kn – und auch die Wellen werden immer höher. Wir kommen zwar trotz stark gereffter Segel recht gut voran, aber die Schräglage und die harten Wellen sind unangenehm. Von diesem Wetter und vor allem von dieser Windstärke hat die Wetterprognose nichts erzählt – das Tiefdruckgebiet über der Sahara ist wohl etwas kräftiger geworden als gedacht und hat uns den Wind (samt rotem Saharasand) beschert. Schließlich beschließen wir, in einer der Buchten im Osten des Cabo de Gata (östlich der Bucht von Almeria) in Deckung zu gehen und uns dort für die Nacht vor Anker zu legen. Vielleicht ist ja morgen besseres Wetter. Die Buchten können wir recht gut mit einem Kreuzschlag Richtung Norden erreichen. Leider beginnt sich dann aber unsere Genua ein wenig aufzulösen, der UV-Schutzstreifen löst sich an zwei Stellen. Damit er nicht noch weiter reißt, werden die Segel weggeräumt und die Maschine wieder eingeschaltet – wir sind ohnehin schon fast in Landnähe. Die Bucht von Puerto Genoves sieht halbwegs ruhig aus, also steuern wir dorthin. Tatsächlich ist in der Bucht kaum Wind, aber die Wellen lassen uns doch ordentlich schaukeln. Wir werfen unseren Anker im Nordosten der Bucht, schon ziemlich nahe am Ufer, auf etwa drei Meter Wassertiefe – er scheint gut zu halten, und es wird eine halbwegs ruhige Nacht. Von Mitternacht bis ca. 21:00 haben wir 103 sm zurück gelegt, das entspricht einem Schnitt von knapp 5 kn.

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