Ein Jahr unterwegs mit der Volare

N 38° 02' W 39° 45'

Tag 314+315: Überfahrt nach Horta/Faial Tag 10+11

May 25, 2012

Am Donnerstag trübt sich der Himmel im Lauf des Tages immer mehr ein, der anfangs schwache Wind frischt etwas auf und dreht weiter nach Südwest. Zu Mittag schalten wir die Maschine ab und setzen die Segel, kommen aber nur sehr langsam weiter. Aber wir liegen recht gut in unserem Zeitplan und müssen auch etwas Diesel sparen. Am Nachmittag werden dann wieder drei Kanister in den Haupttank umgefüllt, bei dem relativ ruhigen Wetter ist das doch etwas einfacher. Der Schwell von Nordwesten ist auch schwächer geworden, unter 2 m Wellenhöhe. Bei dem wenigen Wind schlagen die Segel immer wieder hin und her – den Großbaum kann ich ja fixieren, aber wegen der kaputten Spi-Baum-Halterung kann ich die Genua nicht ausbaumen, sie flattert bei jeder Welle und schlägt auch immer wieder back. Mehr als 3 – 4 kn sind nicht drin, wir werden heute nicht besonders weit kommen. Angesichts des ruhigen Wetters geht es auch Sybille wieder ganz gut, und sie lässt es sich nicht nehmen, uns fürs Mittagessen herrliche Krautrouladen in Rahmsauce mit Salzkartoffeln zu kochen. Erst am Abend bessert sich die Situation, der Wind nimmt auf 10 – 15 kn zu und die Segel beruhigen sich. Den ganzen Tag haben wir kein einziges Schiff gesichtet – wir sind wieder einmal ganz alleine, nur ein paar Delphine besuchen uns und lächeln uns zu. Bis Mitternacht haben wir dann auch nur 108 sm zurückgelegt, das entspricht einem Schnitt von 4,5 kn.

Am Freitag ist es endgültig vorbei mit dem Schönwetter, der Himmel ist bedeckt und immer wieder regnet es. Der Wind kommt den Großteil des Tages mit ca. 18 – 20 kn aus Westsüdwest, und wir können die meiste Zeit recht gut segeln. Wir sind anscheinend zwischen einem Hochdruckgebiet im Südosten (das uns das schöne Wetter der letzten Tage beschert hat), einem Tief im Nordosten und einem heranrückenden Hoch im Westen. Die See ist recht kabbelig, die kurzen, harten Wellen mit 1 – 2 m scheinen aus allen Richtungen zu kommen, und einmal schlägt sogar eine Welle von hinten ins Cockpit hinein – gut, dass niemand draußen war. Die Volare bockt und wackelt wieder ordentlich. Am Radar sieht man die Regengüsse um uns herum auch recht schön und es wird auch immer wieder der Alarm ausgelöst. Nachdem die Solarpaneele bei diesem Wetter Urlaub haben, und der Windgenerator auf Vorwindkurs nicht genug Strom liefert, sind dann auch unsere Batterien recht bald leer und wir werfen unseren Generator an. Die Temperaturen bleiben den ganzen Tag unter 20 Grad. Der Vergleich macht uns sicher, dass wir in die falsche Richtung fahren. Die Route zurück nach Europa ist wirklich nicht mit der bequemen Passatroute in die Karibik vergleichbar, die nicht umsonst die “Barfußroute” genannt wird. Aber wir haben wenigstens noch keinen Sturm abbekommen und hoffen, dass das so bleibt. Aber wir haben inzwischen auch bereits zwei Drittel des Weges zu den Azoren zurück gelegt, also werden die Uhren wieder umgestellt, wir haben jetzt UTC-1 Bordzeit. Die letzte Umstellung machen wir dann bei den Azoren. Am Abend schüttet es wieder einmal recht kräftig, und der Wind dreht ziemlich schnell um 180 Grad nach Nordnordost bis Nordost, ganz wie es die Wetterprognose angekündigt hat. Wir können bei dieser Windrichtung unseren Kurs mit den Segeln nicht mehr halten, räumen sie weg und werfen wieder die Maschine an. Gegen 10 – 15 kn Wind kommen wir allerdings nur langsam weiter. Bis Mitternacht haben wir in 23 Stunden 115 sm zurückgelegt, das entspricht einem Schnitt von genau 5 kn. Positionsmeldung vom Freitag, 24:00 (UTC-1).

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