Ein Jahr unterwegs mit der Volare

N 34° 43' W 58° 54'

Tag 306+307: Überfahrt nach Horta/Faial Tag 2+3

May 17, 2012

Am Mittwoch haben wir den ganzen Tag ziemlich gleich bleibenden Wind mit ca. 20 kn aus Ostsüdost, und wir können hart am Wind weiter direkten Kurs auf Faial fahren. Wir haben stark gerefft, kommen aber trotzdem recht gut weiter der kräftige Wind sorgt auch für genügend Arbeit für unseren Windgenerator, der unseren Strombedarf spielend deckt. Es ist allerdings ziemlich holprig – Sybille geht es dabei wieder gar nicht gut. Wir haben recht kurze, harte Wellen mit ca. 2 m Höhe und immer wieder schlägt der Rumpf mit einem explosionsartigen Knall aufs Wasser, und das ganze Schiff vibriert. Alle paar Minuten, wenn eine etwas höhere Welle kommt, fliegt die Gischt über das ganze Schiff bis ins Cockpit und wir sind nur recht selten draußen. Der Himmel ist die ganze Zeit bedeckt und es ist recht kühl, wir haben gerade einmal 20 Grad. Den ganzen Tag sichten wir kein einziges Schiff auch über AIS ist nichts in Empfangsreichweite. Wir sind uns einig – wir fahren eindeutig in die falsche Richtung. Gegen Abend geht es Sybille dann ein bisschen besser, und eine heiße Gemüsesuppe tut uns beiden gut. Bis Mitternacht haben wir 131 sm zurückgelegt, das entspricht einem Schnitt von ca. 5,5 kn, womit wir wieder ganz zufrieden sind.

Am Donnerstag bessert sich das Wetter gegen Morgen, die Bewölkung ist nur mehr sehr dünn, und der Wind lässt auf 15 – 18 kn nach. Das Meer hat sich auch ein wenig beruhigt, und die Segel werden wieder ganz ausgerollt. Weiterhin ist kein Schiff in Sicht- bzw. AIS-Reichweite. Der Wind hat weiter auf südlichere Richtungen gedreht, und wir kommen ganz gut weiter. Es ist auch etwas wärmer geworden, am Nachmittag haben wir fast 25 Grad – in der Kajüte. Sybille geht es zwar etwas besser als gestern, aber so richtige Seebeine hat sie noch nicht bekommen. Am Nachmittag baue ich die Trennwand in der ansonsten zum riesengroßen Doppelbett eingerichteten Heckkabine wieder ein – so haben wir beide eine Ecke, in die wir uns auch bei der vorherrschenden Schräglage kuscheln können – bisher habe ich in meinen Nachtwache-Pausen ja im Salon geschlafen, musste mich dabei aber immer am Tisch abstützen, um nicht von der Bank zu fallen. Das Wetter bleibt den ganzen Tag ziemlich gleich – das mächtige Hochdruckgebiet, in dessen Einflussbereich wir uns befinden, ist anscheinend weiterhin ziemlich stabil. In der Nacht kreuzt dann ein Frachter hinter uns unseren Kurs – die Lichter sind gerade noch erkennbar, am AIS ist er deutlich zu sehen. Bis Mitternacht haben wir 125 sm zurückgelegt, das entspricht einem Schnitt von etwas über 5 kn. Positionsmeldung vom Donnerstag, 24:00 (UTC-3).

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