Malta 2010

N 35° 53' E 14° 31'

1. Tag (Freitag) ZÜRICH – MALTA

June 18, 2010


Neben der Gepäckausgabe in Malta gibt es ein Büro, das Taxifahrten in einem Kleinbus anbietet. Ideal für uns. So buchen wir die Fahrt zum Hotel Park in Sliema gleich hier. Dann heisst es allerdings: warten. Nach ein paar Minuten erscheint der Fahrer und bringt uns auf den Parkplatz. Mit uns steigen noch 2 weitere Gäste ein, die ebenfalls diesen Service gebucht haben. Allerdings wollen sie in ein anderes Hotel (Alfonso) in einem anderen Stadtteil (St. Julian’s). Die Reise geht zuerst Richtung Hotel Alfonso. Dabei lernen wir die Umgebung richtig gut kennen, denn der Fahrer findet das Hotel nicht und telefoniert mit seinem Chef. Dieser gibt ihm genaue Anweisungen. All right! ruft er laut. Nichts ist all right, wir drehen eine Runde und landen wieder am gleichen Ort. Nun, wenigstens konnten wir etwas am Nachtleben schnuppern (in der Zwischenzeit ist es dunkel geworden). Noch ein Telefongespräch des Fahrers – all right – noch eine Runde, wenden, Einbahnstrasse vermeiden, weitersuchen… endlich, hier ist das Alfonso, wir sind schon 2 Mal daran vorbeigefahren.

Wir verabschieden uns von den Mitfahrern und weiter geht’s, diesmal ohne Sucherei direkt zu unserem Hotel. Hier ist alles bereits für uns. Wir beziehen die Zimmer und machen uns auf den Weg, ein Restaurant zu finden. Gleich an der nächsten Strassenecke entdecken wir eine attraktive Gartenbeiz. Hier genehmigen wir uns eine Pizza und geniessen den lauschigen Abend.


 

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N 35° 53' E 14° 31'

2. Tag (Samstag) LA VALLETTA

June 19, 2010


Wir spazieren hinunter zum Strand und nehmen ein Wassertaxi zur Überfahrt von Sliema nach La Valletta. Es geht vorbei an einer alten Festung (Fort Manoel). Wir steigen an Land und schlendern durch die malerischen Gassen. Es gibt viel zu bewundern, vor allem die vielen Erker sind sehr eindrücklich. Und überall treffen wir Statuen an. Hier gäbe es noch viel zu entdecken, aber wir wollen ja auf das Boot. Dieses können wir um 13 Uhr übernehmen. Also heisst es bald: zurück ins Hotel per Wassertaxi, Gepäck abholen, weiter mit Auto-Taxi zum Hafen.

Toll, das Boot hat eine elektrische Winsch, Bugstrahlruder und Faltpropeller. Leider ist das Alter von 3 Jahren überall zu erkennen (Kratzer, Dellen). Ganz schlecht ist, dass kein Bimini vorhanden ist. Wir versuchen, mit dem vorhandenen Zelt etwas Schatten zu machen. Diese Konstruktion kann aber während dem Segeln nicht gebraucht werden.

In der Zwischenzeit macht sich die Einkaufscrew auf den Weg zum Supermarkt. Dieser ist allerdings sehr weit weg und der lange Fussmarsch in der Hitze des Sommers macht Durst. Zum Glück bietet der Laden einen Boots-Liefer-Service an. Also ist die Rückfahrt einiges angenehmer.

Heute ist es schon zu spät, hinauszufahren. So beschliessen wir, einen kleinen Hafenbummel zu machen und die nähere Umgebung zu erkunden. Bald landen wir im Restaurant, wo wir ein feines Nachtessen zu uns nehmen. Wer will, kann am Grossbildschirm den Fussballmatch verfolgen. Das Getröte der Vuvuzelas wird uns in den nächsten Tagen überall verfolgen.

Nach einigen Gläsern Wein verziehen wir uns in unsere Kojen. Ein kleines Gewitter mit etwas Regen kann uns kaum vom tiefen Schlummern aufwecken. Was uns morgen wohl erwartet?


 

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N 35° 58' E 14° 21'

3. Tag (Sonntag) LA VALLETTA – MELLIEHA BAY

June 20, 2010


Schon um 8 Uhr kriechen die ersten aus den Federn. Kaffeduft breitet sich aus. Bald ist das bekannte, opulente Frühstücksbuffet aufgebaut. Dieses wird natürlich ausgiebig genossen.

Bis alles zusammengeräumt ist, dauert es noch eine Weile. Auch eine dicke Schicht Sonnencrème muss aufgetragen werden. Dann werden alle Handgriffe, die zum Ablegen und zum Segeln nötig sind, besprochen und vorbereitet. Mittlerweile ist es 1115 Uhr geworden. Doch jetzt geht es los!

Der Motor läuft klaglos und wir tuckern langsam zum riesigen Hafen hinaus. Wir müssen uns zunächst im Grand Harbour auf Kanal 13 und nachher beim Valletta Port auf Kanal 12 abmelden. Draussen wartet das grosse, blaue Meer auf uns.

Extrem wichtig: Neptun erhält zuerst seinen Obolus. Erst jetzt werden die Segel gehisst. Für den ersten Tag haben wir einen idealen Wind. 4 Beaufort sind genau richtig, um sich an das Boot zu gewöhnen. Leider kommt der Wind aus NW und genau da wollen wir hin. Das heisst: aufkreuzen. Das tut unserer Freude aber keinen Abbruch. Im Gegenteil, da können wir gleich das Wendemanöver ausgiebig üben.

Um 1530 haben wir bereits unser Ziel, die Mellieha Bay erreicht. Hinten in der Bucht müssen wir aufpassen. Es gibt einige Untiefen. Auch auf Fischfarmen müssen wir aufpassen. Wir tasten uns vorsichtig mit dem Motor weiter, bis wir den Anker fallen lassen.

Zum Baden hat niemand so richtig Lust, also machen wir das Dinghi bereit (inkl. Zusatztank und Ösfass) und fahren an den Strand. Dabei muss unser Dinghi-Pilot aufpassen, dass er nicht in die Zone für die Schwimmer eindringt. Am Strand angekommen, tragen uns unsere Füsse ganz selbstverständlich zur nächsten Strandbeiz. Das Personal ist bereits dabei, die Liegestühle zusammenzupacken. Auch der Barman will Feierabend. Wir ergattern uns gerade noch das letzte Bier. Glück gehabt!

Etwas weiter weg in der Bucht gibt es ein mexikanisches Restaurant. Einige von uns machen einen Spaziergang dahin, die anderen nehmen das Dinghi. Unterwegs will ein Schwimmer mit dem Wassertaxi mitfahren, was aber energisch abgelehnt wird.

Das Nachtessen ist natürlich mexikanisch angehaucht (Montezuma’s Rache). Der einheimische Wein ist nicht jedermanns Sache, trotzdem ist es ein schöner Abend.

Doch halt, wo ist unser Boot? In der Nacht ist es nicht mehr zu erkennen. Befremdet müssen wir feststellen, dass unser Ankerlicht nicht funktioniert. Nun, das ist zwar nicht der Weltuntergang (wir sind ja fast die einzigen, die in der Bucht vor Anker liegen), aber ideal ist es dennoch nicht. Zur Sicherheit montieren wir eine Taschenlampe. Zum Glück ist auch bald Vollmond, sodass wir eigentlich für andere Schiffe erkennbar sein müssten.

Nach einem Schlummertrunk legen wir uns ins schwankende Bett.

Doch nach einigen Stunden pfeift uns ein kräftiger Wind um die Ohren. Es hat aufgefrischt und die See wird etwas unruhig. Hält unser Anker? Um keine Überraschungen zu erleben, bleiben wir während ca. 1 Stunde im Cockpit und beobachten die Situation. Dann ist der Spuk aber schon wieder vorbei und alle verziehen sich endgültig in die Federn.

Tagesweg: 23 Meilen


 

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N 36° 01' E 14° 17'

4. Tag (Montag) MELLIEHA BAY – MGARR

June 21, 2010


Wir freuen uns auf einen weiteren tollen Segeltag mit viel Sonne und 5 Beaufort. Also, Reff einbinden! Es ist uns auch egal, dass wir den Wind wieder ziemlich genau auf die Schnauze kriegen.

Es dauert dann doch eine ganze Weile, bis wir in die Durchfahrt zwischen den Inseln Gozo und Comino einbiegen. Da einiges an Verkehr herrscht, nehmen wir für ein paar Minuten den Jockel zu Hilfe. So können wir direkt und schnell die Passage hinter uns bringen. Im Vorbeifahren erhaschen wir einen kurzen Blick aus der Ferne auf die Blaue Lagune.

Sobald wie möglich schalten wir den Motor aber wieder ab. Wir sind noch zu früh, um bereits in den Hafen von Mgarr einzulaufen, wir sind ja hier zum Segeln. Deshalb beschliessen wir, vorerst einige Schläge hinaus aufs Meer zu machen und später unser Tagesziel ins Visier zu nehmen. Hier auf der Westseite von Malta hat der Wind nochmals zugelegt und erreicht jetzt 6 Beauforts. Das ist überhaupt nicht schlimm, aber die grossen Wellen sind doch manchmal etwas unangenehm und dem einen oder anderen wird bewusst, dass er einen Magen besitzt… Dafür werden wir mit der Sichtung einer Schildkröte entschädigt.






Gegen 17 Uhr fahren wir ein in den Hafen von Mgarr. Wie ist es denn hier, muss man sich auch per Funk beim Hafenmeister anmelden? Keine Ahnung, wir fahren mal drauflos. Bei der Hafeneinfahrt ist ein grosses Schild „VHF 13“. Alles klar, meldet unser Funkergast, der Hafenmeister hat gesagt in 1 Minute. Nun, wir wissen ja, eine Minute kann sehr lange dauern. So kurven wir etwas im Hafen herum und halten Ausschau, ob uns jemand einweist. Dabei weichen wir tunlichst den grossen Fähren aus, die sehr intensiv zwischen den Inseln verkehren.

Endlich winkt jemand am Steg und bedeutet uns, hier anzulegen. Später stellt sich heraus, dass das gar nicht der Hafenmeister war, sondern der Skipper der Nachbarsyacht.

Das Anlegemanöver klappt wie geschmiert. Jetzt nur noch durch Rückwärtsfahrt die Muringleine prüfen und die Heckleinen anziehen, da passiert’s: Die Leine verfängt sich im Propeller, der Motor stellt sofort ab.

Was nun? Schlussendlich stellt sich ein heroisches Crewmitglied zur Verfügung, unten mal nachzusehen, was los ist. Also, Taucherbrille montiert und rein ins kühle Nass. Zum Glück ist das Wasser recht sauber. Nach einigen Tauchversuchen hat er es geschafft, die Leine zu kappen und vom Propeller zu wickeln. Bravo! Jetzt muss die Leine nur noch verlängert werden, dann gibt es endlich den wohlverdienten Ankertrunk.




Das Nachtessen nehmen wir im Restaurant gleich in der Nähe unseres Stegs ein. Es gibt Fisch, den wir vor der Zubereitung individuell ausgewählt haben. Der Chef sieht aus wie der Bruder des Hafenmeisters. Also darum hat er wohl dieses Restaurant empfohlen. Aber es lohnt sich, der Fisch ist wirklich sehr gut, der Wein ist wiederum etwas gewöhnungsbedürftig. Der Schlummertrunk auf dem Boot gibt dann bald die nötige Bettschwere.

Tagesweg: 22 Meilen

 

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N 36° 01' E 14° 17'

5. Tag (Dienstag) MGARR – MGARR

June 22, 2010


Heute wollen wir versuchen, um Gozo herum zu segeln. Dafür hätte man allerdings viel früher losfahren sollen, denn es steht wieder eine lange Strecke gegen den Wind an. Aber schauen wir mal, wie weit wir kommen. Doch zunächst bewundern wir die Flug- und Steuerkünste des Piloten eines Wasserflugzeuges. Nur einige Meter neben uns ist das Gate zum Einsteigen der Passagiere und das Flugzeug scheint beim Vorbeifahren mit der Flügelspitze unsere Genua zu berühren.

Der SMS-Wetterbericht kündigt 5 – 6 Beaufort aus Nordwest an. Draussen erwarten uns sogar 6 – 7 Bft. Und da die Wellen auch entsprechend gross sind, entschliessen wir uns, nur die gereffte Genua zu setzen. Die Schiffsbewegungen sind dadurch etwas angenehmer. Trotzdem werden wir immer wieder einmal von einer grossen Welle geduscht. Zum Glück sind wir nicht in der Nordsee unterwegs.

Aber der Weg ist lange, sehr lange. Es zieht sich dahin. Das Ufer besteht meistens aus Steilküste und allmählich fragen wir uns, ob wir wirklich nahe genug an unser Zwischenziel, dem Azure Window, herankommen, um es so richtig geniessen zu können.

Und tatsächlich – mittlerweile ist es 15 Uhr geworden – können wir den markanten Felsbogen nur aus der Ferne erkennen. Die wilde Küste erheischt Respekt, wir kommen ihr lieber nicht zu Nahe. Auch verursacht die grosse Bucht zusammen mit dem auf 7 Beauforts aufgefrischten Wind einen ziemlich chaotischen Wellengang und es ist ganz klar, dass wir keine Chance haben, an Land zu kommen. Dazu kommt, dass sich in dieser Hexenküche beim einen oder anderen leichtere oder schwerere Übelkeit bemerkbar macht.






Nun, wir sind ja in den Ferien und nicht an einem Rennen. Deshalb fällt uns der Entscheid leicht, jetzt umzukehren. Der Rückweg ist dann wieder einiges schneller und angenehmer.

Trotzdem sind die Wellen nicht zu unterschätzen. Unser Hamburger muss das schmerzlich erfahren. Er muss dringend aufs WC und verschwindet in der Kabine. Doch genau jetzt kommt eine sehr grosse Welle (war es die Siebente?) und er wird erbarmungslos und ohne Vorwarnung in die andere Ecke geschleudert. Das kommt davon, wenn man sich nicht festhält. Blaue Flecken gehören halt auch zu den Erfahrungen, die ein echter Seemann machen muss.

Eine weitere Erfahrung will ein weiteres Crewmitglied unbedingt machen. Er möchte selbst miterleben, wie es ist, sich mit der Schwimmweste und der Lifeline auf das Vordeck zu hangeln und dann hier unter diesen erschwerten Bedingungen zu arbeiten. Nun, es bietet sich die Gelegenheit als wir realisieren, dass wir das Grossegel besser fixieren müssen. Also: einpicken, einige Schritte vorwärts, umhängen, arbeiten und dann das Ganze wieder rückwärts. Da erhält er eine Ahnung vom richtigen Seemanns-Feeling.




Die Einfahrt in den Hafen kennen wir ja von gestern. Dass sich der Hafenmeister über Funk nicht meldet, ist auch nicht neu. Aber zum Glück ist „unser Platz“ am Steg noch frei. Diesmal gelingt das Anlegemanöver ohne Komplikationen und wir begrüssen die gleichen Nachbarn wie gestern.

Zuerst füllen wir noch den Wassertank im Boot auf, dann machen wir uns auf, die empfohlene Beiz zu finden. Die sieht sehr gut aus und zur Abwechslung gibt es wieder einmal Fisch etc. Auch heute ist der einheimische Wein – serviert in einer bemerkenswerten Karaffe – wieder Geschmackssache.

Nach dem obligatorischen Schlummertrunk schlafen alle tief und fest.

Tagesweg: 26 Meilen

 

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N 35° 57' E 14° 23'

6. Tag (Mittwoch) MGARR – ST. PAUL’S BAY

June 23, 2010


Heute sind wir etwas früher dran. Wir planen eine richtige Sightseeing Tour (toulist, toulist!). Auf dem Programm stehen die Blaue Lagune und das Popeye’s Village.

Kurz nach 10 Uhr werfen wir die Leinen los. Die Blaue Lagune ist gleich gegenüber dem Hafen auf der Insel Comino. Bereits nach einer halben Stunde haben wir das Ziel erreicht. Da hat es sich nicht einmal gelohnt, die Segel aufzuziehen.

Wir schmeissen den Anker und sogleich montieren wir die Badehosen, um ein Bad im hellblau schimmernden Wasser zu nehmen. Das Intermezzo dauert nur kurz. Der Anker hält nicht. Deshalb machen wir, dass wir weiterkommen. Also, Segel rauf und den schönen Wind von 4 – 5 Beaufort nutzen. Zwischen den Inseln müssen wir sehr gut auf die Fähren achten, die zwischen Malta und Gozo verkehren. Und tatsächlich werden wir gleich von beiden Seiten in die Zange genommen. Jetzt heisst es, ruhig Blut bewahren, vorausschauen, Fähren ganz genau im Auge behalten und Kurs halten. Selbstverständlich geht alles gut, auch wenn sich bei einigen Crewmitgliedern kurzfristig Nervosität und erhöhter Puls einstellt.

Aber jetzt geht’s runter, der maltesischen Küste entlang zu unserem nächsten Zwischenziel, dem Popeye’s Village. Hier wurde der gleichnamige Film gedreht.

Doch als wir näherkommen, müssen wir feststellen, dass es auch hier kein Durchkommen gibt. Wir können das Dorf nur aus der Ferne bestaunen. Die felsige Küste und auflandiger Wind verunmöglichen es, nahe an den Hafen heranzufahren. Gemäss Handbuch ist es für unseren Tiefgang ohnehin nicht möglich, direkt an der Pier anzulegen. Und kurz vor den von Wind und Wellen gepeitschten Felsen zu ankern scheint uns dann doch viel zu riskant. Nun ja, es war einen Versuch wert und wir kehren wieder um. Wir wollen nun Malta im Norden umrunden und dann in einer geschützten Bucht im Osten vor Anker gehen.

Schon bald kreuzen wir wieder das Fahrwasser der Fähren. Diesmal werden wir von den grossen Kähnen nicht belästigt. Die Passage der Durchfahrt gestaltet sich problemlos. Somit haben wir die kleine Insel Comino umrundet (Gozo haben wir nicht geschafft und auch Malta werden wir auf diesem Törn nicht komplett umfahren).

Schon um ca. 15 Uhr erreichen wir St. Paul’s Bay. Es gibt da ganz am Anfang der Bucht ein lauschiges und gut geschütztes Plätzchen. Leider ist es da etwas eng. Ein grosses Polizeiboot ist schon da und auch ein anderes Segelboot. Wir halten gebührend Abstand und lassen den Anker fallen. Doch er hält nicht, wir müssen das Manöver wiederholen. Jetzt ist alles o.k. und wir geniessen ein erfrischendes Bad.

Dann verziehen sich die Smutjes in die Kombüse, um die berühmten Spaghettis zu kochen. Während sich interessante Düfte im Cockpit ausbreiten, werden wir von der Dame vom amerikanischen  Boot nebenan angerufen. Wenn wir über Nacht bleiben wollen, dann seien wir zu nahe bei ihnen. So ein Hausdrache! Vollmond ist doch erst am nächsten Samstag! So nahe sind wir doch gar nicht!

Nun, wir lassen uns das Nachtessen nicht vermiesen (obwohl der Hausdrache noch einige böse Blicke zu uns herüberschiesst), warten bis die Polizisten abgezogen sind und parkieren dann um. Langsam sind wir sehr gut eingespielt für das Ankermanöver.

Tagesweg: 17 Meilen


 

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N 35° 50' E 14° 32'

7. Tag (Donnerstag) ST. PAUL’S BAY – MARSAXLOKK

June 24, 2010


Schon früh am Morgen plätschert es ums Boot herum. Die ersten Frühaufsteher nehmen ein Bad. Einer nach dem anderen folgt. Herrlich, so herumzuplanschen! Ideal, um den Appetit anzuregen. Dann machen wir uns über das tolle Frühstücksbuffet her.

Hier sind wir geschützt, hier fühlen wir den Wind fast nicht, aber draussen auf dem Meer gibt es wieder 4 Beauforts. Der Wetterbericht für morgen sagt weniger Wind voraus. Also wollen wir die gegenwärtigen Verhältnisse nochmals voll auskosten. Vollzeug rauf und los! Wir fahren der Küste entlang nach Süden. Da wollen wir ein Fischerdorf hinten in einer Bucht besuchen.

Der Steuermann steht hochkonzentriert am Ruder. Vom Wind spüren wir fast nichts. 14 Knoten Wind scheinen wie ein laues Lüftchen von 3 Knoten. Wie kann das gehen? Die Lösung heisst: Schmetterling.  Aber der Wind von hinten ist nicht so einfach unter Kontrolle zu halten. Das Steuern muss sehr präzise erfolgen, sonst fallen die Segel unkontrolliert auf die andere Seite. Das ist nicht erwünscht und kann sogar gefährlich sein. Nur gut, haben wir eine Bullentalje montiert. So rauschen wir grossartig an La Valletta vorbei direkt zur Südspitze von Malta.

Bei der Anfahrt zu Marsaxlokk kurven wir um einige grosse Frachtschiffe herum, die auf Reede liegen. Die Einfahrt in die Bucht ist von weitem zu erkennen. Es gibt ein grosses Kraftwerk und eine Hafenanlage für die Frachter. Aber wo ist denn jetzt der idyllische Fischerhafen?

Geduld, wir finden ihn schon. Nachdem wir uns neben Fischfarmen und grösseren Fischerbooten durchgemogelt haben, erreichen wir den Ankerplatz. Allzu tief in die Bucht können wir nicht vordringen, hinten ist es viel zu flach für unser Boot. Aber wir haben ja noch das Dinghi.

Es ist wirklich ein Ort wie im Bilderbuch. Jede Boje im Hafen ist mit den wunderschönen, farbigen Fischerbooten besetzt. So setzen wir uns in eine Gartenbeiz und schauen dem Treiben der Einheimischen zu. Touristen sind fast keine anzutreffen. Uns beeindruckt vor allem die Art, wie die Männer ihre Boote manövrieren. Echte Vollprofis. Vor allem die verschiedenen Techniken des Ruderns in den Beibooten sind sehenswert. Sie werden mit schlafwandlerischer Sicherheit ausgeführt. Da hätten wir Greenhörner sicher einige Probleme.

Bald meldet sich der kleine (oder grosse) Hunger und wir machen uns auf die Suche nach einem Speiserestaurant. Dabei entdecken wir oben auf der Terrasse im 2. Stock Tische und Stühle. Das sieht sehr verlockend aus. Und tatsächlich, die Chefin lotst uns zielsicher hinauf, es gibt noch freie Plätze. Die Serviertochter ist allerdings überhaupt nicht einverstanden, als wir beginnen, Tische zusammenzuschieben. Wir wollen natürlich alle am Rand der Terrasse sitzen und die Aussicht geniessen. Da werden halt einige Sitzplätze verschenkt und es könnte weniger Trinkgeld geben. Aber die Chefin regelt das und so sitzen wir hoch über dem Hafen und haben eine wunderbare Aussicht.

Wir lassen uns gerne von der Empfehlung der einheimischen Schlachtplatte (grosse Platte mit Meeresfrüchten) überzeugen. Die Tintenfische, Crevetten und Muscheln schmecken hervorragend. Zusammen mit den Beilagen (Salat und Pommes Frites) geniessen wir ein köstliches Mahl.

Beim zurückschlendern zum Dinghi können wir einer einladenden Bar im Freien nicht widerstehen. Wir machen einen Zwischenhalt und genehmigen uns einen Schluck. Dann kann die Fahrt zurück zum Boot losgehen.

Schade, morgen steht bereits die letzte Etappe zurück nach La Valletta an.

Tagesweg: 25 Meilen


 

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N 35° 53' E 14° 31'

8. Tag (Freitag) MARSAXLOKK – LA VALLETTA

June 25, 2010


Heute sind wir wieder eher früh dran. Schon vor 10 Uhr ziehen wir den Anker hoch und fahren los. Bald sind wir aus der Bucht heraus und hissen die Segel. Wie angekündigt, hat der Wind nachgelassen. 3 Beauforts fallen nun wirklich aus dem Rahmen. Das sind wir uns in dieser Woche überhaupt nicht gewohnt. Doch wir beklagen uns nicht, suchen unseren Weg zwischen den Frachtern hindurch und nehmen die Bohrinsel weit draussen ins Visier.

Es geht aber nicht lange, da fällt der Wind zusammen und das Meer wird spiegelglatt. Unser selbst gestecktes Ziel entschwebt in unerreichbare Ferne. Was nun? Die Sonne entfaltet ihre volle Kraft und so ist ein erfrischendes Bad genau das Richtige. Hier draussen in der endlosen Weite geniessen wir das grenzenlose blaue Meer.

Nach der Abkühlung hat es etwas Hunger gegeben. Bisher konnten wir nie einen z’Vieri zu uns nehmen, weil wir immer stark beschäftigt waren mit Segeln. Aber heute sind ideale Bedingungen, um etwas zu mäuschele. Es gibt noch einige Restposten, die jetzt vertilgt werden.

Nach diesem 2-Std.-Halt müssen wir den Motor zu Hilfe nehmen. Die Strömung hat uns zurückgetrieben, sodass wir die mühsam ersegelten Meilen von heute morgen ein zweites Mal zurücklegen.

Auf den letzten Meilen werden wir entschädigt durch die Sichtung eines springenden Schwertfisches, eines fliegenden Fisches und einer weiteren Schildkröte. Nur die Delfine zeigen sich uns in diesem Jahr nicht.

Die Prozedur für das Einfahren ist klar: unser Funker schaltet wieder das Funkgerät ein und meldet uns ordnungsgemäss an. Bevor wir dann in unseren Hafen einbiegen, fahren wir – wie uns David angegeben hat – etwas weiter und suchen die Tankstelle. Leider ist hier nichts zu finden. Wir rufen unseren Clown an, er ist aber nicht erreichbar. So fahren wir im ganzen Hafen herum und suchen, suchen. Nichts ist zu finden, wir müssen zum Hafen hinausfahren. Im Hafen nebenan finden wir dann endlich die Tankstelle. Da hat uns David einen schönen Käse erzählt.

Nach dem Tanken (unfreundliche Bedienung mit Bearbeitungszuschlag) geht es wieder zurück in unseren Hafen. Dabei müssen wir einem riesigen Kreuzfahrtschiff ausweichen, das soeben ausläuft.

Dann landen wir an unserem Steg. Die Sucherei hat uns ca. 2 Stunden gekostet. David erwartet uns bereits und wir geben das Boot zurück. Auf die Frage, ob wir Fehler zu melden haben, zücken wir die Mängelliste. David wirft einen Blick darauf und wird bleich. Eine so lange Liste hat er wohl nicht erwartet. Das bedeutet für ihn viel Arbeit und wenig Party. Hoffentlich hat er wenigstens das Wichtigste erledigt, sodass die nachfolgende Crew nicht wieder die gleichen Erfahrungen machen muss.

David eröffnet uns, dass wir morgen bereits um 9 Uhr das Boot verlassen müssen, damit es bis am Nachmittag gereinigt und bereit gemacht werden kann. Der Taucher, der das Unterwasserschiff überprüfen wird, ist auch für diese Zeit bestellt. Die Kaution wird erst dann zurückgegeben, wenn auch hier alles in Ordnung ist. Wir vergewissern uns nochmals bei David, dass unser Taxi auch bestellt ist.

Jetzt benützen wir die luxuriösen Duschen im Hafen und machen uns bereit für das Nachtessen. Dieses Mal gehen wir ins andere Restaurant. Es lohnt sich, nicht nur wegen dem ganz speziellen WC, sondern auch wegen dem Essen. Das Stück Fleisch auf dem heissen Stein schmeckt ganz hervorragend.

Am Abend wird es nicht allzu spät. Wir müssen ja morgen sehr früh aufstehen. Die letzten Getränke werden geleert. Es bleibt nur noch etwas Wein übrig. Den werden wir nach Hause mitnehmen.

Tagesweg: 25 Meilen

 

Es war ein toller Törn. Wir machten total 138 Meilen, davon 98 unter Segeln und 40 unter Motor (inkl. fast 10 Meilen für die Tankstellensuche)


 

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N 35° 53' E 14° 31'

9. Tag (Samstag) LA VALLETTA – ZÜRICH

June 26, 2010


Auch ohne Wecker kriechen alle unüblich früh aus der Koje. Bald sind die letzten Reste für das Frühstück aufgetischt. Nachdem die Reisetaschen und Rucksäcke fertig gepackt sind, warten wir auf den Taucher.

Endlich ist es dann soweit. Er schnallt sich die Pressluftflaschen um und verschwindet in der Tiefe. Kurz darauf erscheint er schon wieder an der Oberfläche und erklärt dem verduzten David, dass wir wohl ein Seil im Propeller hatten. Er solle doch überprüfen, ob die Dichtung noch o.k. ist, oder ob Wasser ins Boot eingedrungen sei. Wir setzen eine Unschuldsmiene auf und warten ab, wie sich die Sache entwickelt. Später zeigt der Taucher faserige Reste des Seils, die er losgeschnitten hatte. Aber alles ist in Ordnung und die Kaution kann zurückgezahlt werden. Ufff!

Im brasilianischen Café an der Piazza gibt es eine Ergänzung zum Frühstück (Spiegelei auf Toast). Dann müssen wir noch die Zeit totschlagen, bis wir ins Taxi einsteigen können. Einige machen einen Spaziergang in der Umgebung, andere lümmeln in den Beizen herum.

Pünktlich um 12 Uhr sind die beiden Taxis bereit und wir lassen uns zum Flughafen fahren. Dabei erheischen wir einen letzten Blick auf La Valletta, dann stellen wir uns bald in die Warteschlange zum einchecken.

Der Flug verläuft angenehm. Schon einige Sekunden nach dem Start sehen wir die Bucht von Marsaxlokk, wo wir vor 2 Tagen geankert haben. Das ist ein schöner Abschluss des Törns. Es gibt einigen Stoff für Seemannsgarn. Die Heldentaten werden beim Erzählen wohl genüsslich ausgeschmückt…


 

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