Türkei (Bodrum) 2009

N 37° 00' E 27° 47'

KARACA – ÇÖKERTME (5. Tag)

June 17, 2009

Tatsächlich sind wir heute etwas früher bereit. Draussen erwartet uns nur wenig Wind, also alle Segel rauf. Später frischt der Wind auf und wir machen bei Sonnenschein und 4 Bft ganz schön Fahrt.

Doch was ist das, plötzlich sind wir in einem Flautenloch gelandet. Schon will der eine oder andere den Motor anwerfen, aber etwas Geduld sollte man schon haben. Und tatsächlich, nach einer Viertelstunde setzt der Wind wieder ein – und wie! Schnell sind 5 Bft erreicht, also sollten wir wenigstens die Genua etwas verkleinern. Toll, dieses Wetter, langsam wird es richtig kitschig. Wir stellen fest, dass die besten Bedingungen draussen herrschen, in Landnähe ist der Wind unbeständig und weniger stark. Die paar Wellen, die es hier gibt, stecken wir alten Seebären ohne weiteres weg. Statt Übelkeit herrscht helle Freude!

Etwas weiter voraus erkennen wir ein Segelboot, das offenbar den gleichen Kurs wie wir verfolgt. Jetzt packt uns der Sportsgeist. Werden wir diesen Konkurrenten einholen? Es wird an allen Ecken getrimmt, jeder bringt seine Ideen ein, die „Dolce“ noch einen Zehntel Knoten schneller zu machen. Der Steuermann gibt alles, jede Welle wird optimal ausgeritten.

 


Das macht Spass! Tatsächlich schaffen wir es, aufzuholen. Befriedigt stellen wir fest, dass wir nicht nur schneller sind, sondern auch höher am Wind segeln können. So kann das Rennen ja nur zu unseren Gunsten ausgehen. Bald sind wir bis auf ein paar Meter herangekommen, als wir realisieren, dass es sich um unsere Nachbarn von der letzten Nacht handelt.

Nur zu schnell erreichen wir unser Tagesziel, wieder die Bucht „Çökertme“. Dieses Mal gehen wir nicht zu „Captain Ibrahim“, sondern ins Restaurant daneben („Rose Mary“). Das Anlegen am Steg ist nicht ganz einfach, aber wir sind in der Zwischenzeit ja ein richtig gut eingespieltes Team, da können wir jede Situation meistern. Und zu unserem Entzücken stellen wir fest, dass die Bavaria von vorhin gleich neben uns anlegt. Unsere Nachbarn tragen die Niederlage von vorher mit Fassung. In aller Demut anerkennen sie, dass die Schweiz eine nicht zu unterschätzende Seglernation ist. Selbstverständlich wird sofort beschlossen, dass wir den Abend zusammen mit ihnen verbringen werden.

Andere Crews hatten offenbar weniger Glück. Die Schweden nebenan haben zwei grosse Risse im Rollgross. Jedoch, Hilfe naht. Das Reparaturteam ist schon zur Stelle. Es wird gleich fachgerecht an Land repariert. Dabei kommt auch eine Bernina-Nähmaschine zum Einsatz (ja, heute ist die Sternstunde der Schweiz). Kurze Zeit später ist das Segel wieder da, wo es hingehört. Bravo!

Jetzt müssen wir uns aber ums Nachtessen kümmern. Dazu müssen wir zuerst über den Steg zum Restaurant gehen. Das entpuppt sich beinahe als Zirkusnummer. Der Steg besteht nicht aus Holzbrettern, sondern aus Plastikkanistern. Und diese machen jede kleinste Wellenbewegung mit. Etwas Schwell und wir torkeln herum wie nach einer durchzechten Nacht. Macht nichts, der Chef macht uns ein Angebot, dem wir nicht widerstehen können: er zeigt uns einen frisch gefangenen Schwertfisch. Nun, das scheint eine gute Idee zu sein. Leider sind total 6 kg doch ein wenig viel, aber die Hälfte wäre schon ok. Kein Problem, der Fisch ist reserviert. Die Nachbarn von der Bavaria schliessen sich uns an, also kommt nochmals die Hälfte der zweiten Hälfte dazu. Um es kurz zu machen: das Essen war hervorragend und wir haben einen weiteren schönen Abend erlebt.

Heute hatten wir einen richtig heissen Tag (gefühlte 42 Grad). Oftmals hatten wir das Gefühl, dass der Föhn bläst. Und auch am Abend ist es immer noch mehr als lauwarm. Das bewegt einen Teil der Mannschaft dazu, das Nachtlager nicht in der Koje unten, sondern draussen im Cockpit unter freiem Himmel einzurichten. So lässt sich bestens schlafen, chrrrr…

Tagesweg heute: 32 Meilen

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