Schottland, Whisky und Meer
Die Letze Wache
July 27, 2010
Am 21. Juli 2010 um 20:00 Uhr hat mein Geschäftspartner, Freund und Segelkamerad Sven Judick seinen Kampf gegen den Krebs in seinem Körper verloren. Vier Tagen später wäre er 48 Jahre alt geworden.
Sven kam 1996 als neuer Gesellschafter in unsere Schreiner – GbR. Schnell wurde er mit seinem Betrieb ein wichtiger Mitarbeiter in meinem Auftragsgefüge. Wir koordinierten unsere Aufträge und Sven war bei allen meinen Großprojekten in vorderster Front für mich dabei. Ich konnte mich um die Regie kümmern und er hielt mir den Rücken in der Werkstatt frei. Er hatte Freude an seinem Job, war voller Tatendrang und konnte sich ehrlich über das gemeinsam Geleistete freuen. Viele Möbel, auch in meinem eigenen Haus, zeugen von seinem „Handwerk“ und erinnern mich so nachhaltig an ihn.
Schon von Beginn unserer Zusammenarbeit war klar, dass Sven auch ein begeisterter Segler war. Infiziert durch frühe Segelurlaube mit den Eltern und einem festen Stützpunkt in Heerewaarden an der Maas, war er dem Wasser mit Ski, Surfbrett und Segelboot verfallen. Auf seiner Cobra 750 erkundete er Holland wagte sich sogar über den Kanal nach England. Ich lag mit meiner Drifter 25 am Ijsselmeer und wir wechselten oft Boot und Revier oder trafen uns zum gemeinsamen Törn mit unseren Booten (und Frauen).
25 Fuß erlauben nun wirklich keinen großen Radius bei 10 Tagen Urlaub und so starteten wir zur Jahrtausendwende, das Mittelmeer auf diversen Chartertörns zu erkunden. Die Mannschaft, oft Mitarbeiter unserer Werkstatt variierte, Sven war immer dabei. Auch als ich 2002 mein jetziges Schiff in Eignergemeinschaft mit Freunden erwarb, war Sven zur Stelle. Mit Ihm überführte ich die Sya im Oktober 2002 von Ibiza über Barcelona nach Port Camargue, von wo aus sie per Landtransport nach Holland gelangte. Nun hatten wir endlich das richtige Schiff um nach der Hitze des Mittelmeers mit Wind und moderaten Temperaturen die Nordsee zu erkunden. Ein gebrauchtes Schiff um 35 Fuß – auch wenn ich nicht zur Clientel derer gehöre, denen das Basteln fast wichtiger ist als das Segeln – ein solches Schiff macht Arbeit. Auch hier war Sven selbstverständlich immer dabei, ob Winterlagerung, Reparaturen oder Umsetzung einer meiner spleenigen Einfälle – Sven war zur Stelle.
Unsere Törns nach England und Dänemark belehrten uns zwar hinsichtlich des Wetters etwas anderem, bewiesen aber eine Einschätzung, die uns schon länger bewusst war: Wir zwei konnten uns in jeder Beziehung blind auf einander verlassen Diese Erfahrung half Ihm die Angst vor Langfahrten zu überwinden und wir machten einen ersten Test Trip nach Edinbourgh. Nachtfahrten mit festen Wachwechseln. Sein Leben in die Hände des Wachhabenden zu legen – es kostete Ihn bestimmt Mut, zeugte aber auch von seinem absolutem Vertrauen.
Und dann mein Werben um den Törn „Rund Schottland“. Klar wollte ich Sven als No 1 dabei haben. Hätte er mir den ganzen Törn zugesagt, wäre die Rest Crew eine angenehme Bereicherung (hoffentlich) aber keine Notwendigkeit gewesen. Aber er verweigerte sich. Viele Diskussionen später und nach Intervention seiner Frau Walli (Rund Schottland – die Chance bekommst Du nie wieder) dann Seine Zusage: „Hast Du noch meine Schlappen an Bord? – Ja, warum? – Die können ja nicht ohne mich zu den Hebriden segeln.“
Den Törnbericht habt Ihr gelesen. Die Bilder sprechen Ihre eigene Sprache. Das Sven schon bei Törnbeginn den Feind im Körper hatte ahnte niemand. Heute erklärt sich vielleicht manche Verhaltensweise. Ich weiß, dass für Sven dieser Törn vielleicht eines der größten Abenteuer in seinem Leben war. Mit Sicherheit war die Erinnerung ihm ein Hafen und eine Hoffnung für den Kampf der Ihm bevorstand.
Im November, im Hauptstress unserer Messeaktivitäten, kam der Befund. Erst mal den Job beenden, dann die nächste Baustelle angehen. Das schaffen wir, im Sommer segeln wir wieder!
Die Realität lässt sich nicht durch forsche Willensbekundungen manipulieren. Das Schicksal ist nicht bestechlich und so zeigte sich, dass die Behandlungen nicht greifen. Der Krebs nimmt Besitz von Sven’s Körper. Metastasen in der Lunge sind zuletzt sein größter Feind. Hervorragend betreut auf der Palliativstation des Düsseldorfer Marien Hospitals beginnt sein letzter Kampf letztendlich völlig überraschend schnell. Als Seine Eltern, Seine Frau und ich uns am Krankenbett treffen ringt Sven schon um jeden Atemzug. Uns war klar, dass dies eine lange Nacht werden würde.
Es sollte meine letzte Wache für meinen Freund werden. Er ist von Bord gegangen. Nichts wird mehr so sein wie vorher. Zu Lebzeiten hadert man mit den Fehlern des Freundes, wenn man Ihn verloren hat realisiert man die Größe des Vakuums, dass er hinterlässt. Wir haben uns fast jeden Tag gesehen, miteinander gearbeitet, gestritten, „geliebt“, gesegelt – Sven Du fehlst mir einfach.
Egal wohin und mit wem mich mein nächster Törn führen wird, Sven wird mich für immer begleiten.
Howdi Sven, farewell

Marck September 06, 2010 at 07:35 AM
Ahoy Capt’n Svennie, Godverdomme man, geen biertje meer, geen lach en geen relax meer
Mis je nu al te erg. Heel veel dank voor die 40 jaar mooie vriendschap. Proost
Grtx Marck en Louise. Noorderzon Heerewaarden
@ Wilfred, Dankeschon !!
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