Schottland, Whisky und Meer
Inverness ist erreicht
July 03, 2009
Die erste Etappe unseres Törns ist geschafft. Wir sind in Inverness angekommen. Nach 588,7sm auf der Nordsee haben wir die Seeschleuse zum Caledonian Canal exakt um 16:00 erreicht. Keine Minute zu spät, denn sofort wird mit der letzten Schleusung des Tages begonnen. Um 16:58 belegen wir nach 96:25 Std am Steiger der Seeport Marina Inverness.
Den Helder 29.6.09: Pünktlich mit der Flut verlassen wir um 9:45 den Hafen. Der Wetterbericht verspricht Wind aus O-NO 3-4 eigentlich ideale Bedingungen, aber durchs Molengat steht der Wind erst mal gegen an also starten wir unter Motor. Auch durchs erste Verkehrstrennungsgebiet motoren wir noch und können erst um 16:39 testen was der Wind hergibt. Kurs 272° Grad. Zeit die Angel auszuwerfen. Bei 5,5 Kn Fahrt dauert es nur 5 Minuten und wir haben die erste Makrele an Bord. Bei der dritten reißt die Schnur und wir müssen im nächsten Hafen erst mal Ersatz beschaffen. Die ersten Fänge schmecken wunderbar und so segeln wir zufrieden in die Nacht. Wachwechsel ist alle 4 Stunden: 4 Stunden Wache, 4 Stunden Bereitschaft und 4 Stunden frei, die mit einer Dose Bier belohnt werden, ansonsten besteht Alkoholverbot. Das Einleben in den Wachplan verläuft einfacher als gedacht, nach dem zweiten Durchlauf haben sich alle an den Rhythmus gewöhnt. Helmut stellt sich bei seinem ersten Wachantritt mit dem Spitznamen früherer Törns als „Windhelmut“ vor. Wir sind misstrauisch und taufen in vorsorglich um in „ Windiger Helmut“. Aber er hat ein Händchen für Wind und Segel. Kurz vor 24:00 kann auch er nichts mehr retten und wir starten wieder den Motor.
Auf See 30.6.09: Um 3:22 haben wir das dritte und letzte Verkehrstrennungsgebiet passiert, vor uns liegt nur noch offene See. Um 6:39 überfahren wir die Grenze nach England: Flaggenparade unter Abspielen von „God save the Queen“ und einer kleinen Dose Prosecco pro Mann, das lockt selbst Sven aus dem Frei und seiner Koje. Ansonsten kein Wind, die Nordsee sieht aus wie eine Badewanne, motoren - motoren -motoren. Kurz vor Mitternacht dann die Wende, Wind kommt auf, wir können wieder segeln.
Auf See 1.7.09: um !0:01 passieren wir den 0 Meridian. Wir lassen den Motor eine halbe Stunde mitlaufen um die Batterien zu laden und Wasser zu heißen. Heute ist Badetag. Durchlaufende Welle von BB achtern gibt einen rechten Schurgelkurs. Erstmals setzen wir auch unseren Genacker und hohlen uns zusätzliche 1,3 kn, Konzentration beim Steuern ist gefragt. Helmut läuft Toppspeed mit 8,31 kn auf der Logge wahrscheinlich ist ein Wal unterm Boot durchgetaucht und hat entsprechende Gegenströmung verursacht. Eigentlich unglaublich und nicht zu toppen. Um 18:43 haben wir die Höhe von Schottland erreicht. Um 22:00 sehen wir den ersten Segler seit unserer Abfahrt und um 23:00 das Blinkfeuern von St. Abbs Head – Land ist in Sichtweite.
Auf See 2.7.09: Ein gemischter Segeltag mit 5:50 Std Motor ansonsten Buisiness as usual. Um 23:00 passieren wir Rattray Head, links abbiegen nach Inverness nicht vergessen sonst landen wir noch in den Shetlands.
Auf See 3.7.09: Kurz nach Mitternacht kommt Wind aus S auf und trägt den Geruch von Erde und Vieh von Land herüber. Es ist der Beginn eines herrlichen Segeltages. Trotz kurzer Flauten lassen ir die Segel stehen und werden belohnt: Ich erreiche bei halben Wind unter Groß und Genua 8,39 kn, Sven überbietet in seiner Schicht unter Genacker mit 8,75 kn und Helmut der Windige toppt unter Groß und Genua erneut mit 9.2 kn, eigentlich unmöglich. Der Skipp bleibt dann doch Sieger und muss für unglaubliche 9.33 kn auf der Logge die Runde bezahlen. Jungs von Co-Segel Ihr habt einen tollen Job gemacht, die neuen Segel sind Spitze. Morgens sah es eigentlich unmöglich aus zur letzten Schleusenzeit um 16:00 in Inverness zu sein aber der Wind prügelt uns mit teilweise 8 kn Richtung Ziel und Pup. Nach dem ersten Anlegerwein geht es zum ersten Lager auf schottischem Boden in den Pup, danach dösen in die Nacht und schlafen ohne Zeitplan. Der gemütliche Teil des Törns fangt morgen an.
Helmut: Und da war noch das Thema – segeln ohne Wind – warum hat Magellan den stillen Ozean genau so benannt? Nach den von Wilfried schon beschriebenen Flautentag haben wir eine Vorstellung davon: Außer einer Lichtspiegelung auf dem Wasser sieht man nichts – ich hatte den Eindruck, wir drehen konstant nach Backbord. Ohne Kompass: Fahren wie Nicki Lauda – immer im Kreis – wer will das schon.
Sven: Eine Weile nach überqueren des 0 Meridians Frage Helmut an den Wachhabenden (meine Wenigkeit) in Sachen Wind: „Wie sieht es uss?“ Antwort: „Im Westen nichts Neues“. Später im Verlauf des Törns nächtliche Frage der Bereitschaft – Helmut – der gemütlich seit einer halben Stunde am Kartentisch saß: „Bist Du noch da?“ Ich bestätigte mit einem schallenden Gelächter.

vitalis July 04, 2009 at 10:26 PM
Hi Apollo,
wir sind gestern gegen 21.00 Uhr mit ablaufender Stadtbevoelkerung Richtung Genue ausgelaufen. Skorbut haben wir mit Aepfeln und frischen Nektarinen bekaempft und sind unter Motor mit ablaufender Tide an Frankfurt, Karlsruhe und Basel vorbei Richtung Gotthard gelaufen. Bei klarer Sicht und achterlichen Winden haben wir die Alpen passiert und sind gegen 9.00 Uhr in Imperia eingelaufen. Inzwischen bekaempfen wir weiterhin Skorbut und lassen uns frischen Fisch auf der Zunge zergehen.
Gruesse aus Nord-Italien con den Schulzies
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