Schottland, Whisky und Meer
Arbeit getan, das Abenteuer kann beginnen
June 10, 2009
Es ist vollbracht. Die letzen Arbeiten sind abgeschlossen, das Boot ist in Top Zustand. In knapp zwei Wochen soll der Törn losgehen. Es war ein langer Weg bis hierhin.
Ein Törn nach Edinghburg 2007 weckte Lust auf mehr. Ein Bericht über die Malt Cruise in Schottland setzte die Eckdaten des Törns, zwei ruhige arbeitsfreie Monate das Datum und eine verständnissvolle Ehefrau gab das ok. Nun noch eine Crew zusammenstellen und das Boot fitmachen. Leichter gesagt als getan, aber es ist geschafft.
Die Crew besteht aus Helmut Mahr gesamter Törn, Sven Judick die ersten 4 Wochen, Klaus Henrich am Anfang und zum Ende des Törn sowie diversen Wochengäste. Neue Ausrüstung an Bord sind: neue Segel gesponsort von Platform Europe Ltd, neuer Chartplotter, neues Funkgerät, AIS, neue Rettungsinsel, Festmacher, diverse Einbauten (endlich ein Bücherboard) und Reparaturen, Wartungen an Winchen, Motor und Wassersystem. Navigation mit Imray Charts als Papierkarten und C-map max elektronisch sowie Pilotbooks und Revierführer.
Drei Anfahrten mit Arbeiten auf und unter Deck und den anderen beim Segeln zuschauen, jeder Menge Schweiß aber auch Freude über jeden abgearbeiteten Punkt, der dann auch funktioniert und die Gewissheit den Törn sicher und komfortabel absolvieren zu können. Mein Dank geht hier an alle die uns unterstützt und tatkräftig zugepackt haben.
Jetzt fehlt nur noch der Provianteinkauf, bunkern und verstauen, dann kann es los gehen. Nun aber erstmal zurück nach Düsseldorf und die letzten Tage bis Törnbeginn ohne Unfall meistern.
Wir sind an Bord, bereit zum Sprung
June 27, 2009
Heute morgen Anreise aus Düsseldorf. Sven, Helmut und ich haben gestern Proviant gefasst und den Bus, der die nächsten 8 Wochen im Comagnieshafen von Enkhuizen parken wird, ein letztes Mal vollgepackt. Klaus sollte eigentlich morgen in Amsterdamm zu uns stossen. Unglücklicherweise hat er sich dermaßen den Fuß verdreht, daß er erstmal ausfällt. Gute Besserung von hier und sieh zu, daß Du zur zweiten Törnhälfte wieder fit bist.
Jetzt noch ein paar kleine letzte Montagen und dann Bunkern. Jedesmal die selbe Frage: Wie soll das alles an Bord passen und verstaut werden. Ist all der Unsinn den man eingepackt hat wirklich nötig? Und wir reden hier über eine Männercrew, wie sähe es erst aus, wenn wir Frauen an Bord hätten?
Aber unsere Sya ist ein Raumwunder. Überall gibt es noch ein Loch, in das sich etwas stopfen lässt. Hoffentlich finden wir auch alles wieder, wenn wir es brauchen. Und hoffentlich hält uns die Polizei nicht an und stellt uns auf die Waage – wenn der Kahn mal nicht leicht überladen ist. 8218kg ist die Höchstzulässige Belastung, 1800kg für alle Ausrüstung, Tankinhalte, Vorräte, pers. Ausrüstung und Crew. Klingt erstmal viel aber wenn man anfängt nachzurechnen wird es eng. Wir müssen halt von heute an täglich an der Gewichtsreduzierung arbeiten.
Neben Konserven aller Art, Nudeln Kartoffeln und Brot, Obst, Gemüse, Schokolade, Knabbereien sowie einer vollen Kühlschrankladung haben wir an Flüssigem: 100 ltr Diesel, 465 ltr Frischwasser sowie 247 ltr erfrischende, geistige sowie hochgeistige Getränke an Bord (Auflistung nur auf pers. Anfrage). Das muss fürs Erste reichen.
Trotz allem sieht es unter Deck im Moment noch übersichtlich und aufgeräumt aus und alles ist für den ersten Schlag gerüstet. In Abänderung unseres Plans wollen wir morgen nach Den Helder und von dort am Montag morgen mit der Flut auslaufen. Dann soll es in einem Schlag ca 475sm nordwärts bis Inverness gehen. Die Wetterprognosen sind im Moment gut, östliche Winde vesprechen eine angenehme schnelle Reise, wenn es mal nur so bleibt. Die Bordzeit haben wir auf UTC umgestellt, so haben wir am wenigsten Probleme mit Umrechnen und Anpassen der verschiedenen Systeme. Der Wachplan hängt auch schon, ich denke wir haben an alles gedacht.
Nun gönnen wir uns ein Abschiedsessen in der Mastenbar, danach noch eine flüssige Tablette gegen Skorbut und dann ab in die Koje. Morgen geht es endgültig los.
Zurück im Salzwasser
June 28, 2009
Ein langer Tag geht zuende. Die Pille gegen Scorbut wirkt noch leicht nach, als wir um 6:00 aufstehen. Die letzten Reste werden verstaut, Lifelines gespannt, nochmal zur Tanke, dann ist es soweit.
10:00 melden wir uns für die nächsten 8 Wochen im Hafen ab und starten gen Den Oever. Bei diesig – schwülem Wetter, ohne Wind beginnt der Törn unter Motor, draußen kann es nur besser werden.
Um 15:00 haben wir die Schleuse passiert und sind im Wattenmeer. Es schnmeckt und riecht nach Salz. Auch der erwartete Wind ist da, und so schiebt uns das ablaufende Wasser mit zusätzlichen 1,5 kn unter Genua Richtung Den Helder. Punkt 17:00 machen wir im Hafen fest.
Nach der ersten 36,7 sm hat die Fahrt unter Segeln knapp gewonnen. Wir sind zufrieden und müde. Noch ein Burger im königlichen Yachtclub und dann ab in die Koje. Morgen um 10:00 laufen wir mir der Flut aus und melden uns erst von Inverness wieder (sobald wir Handyempfang haben, sollte auch das Internet wieder laufen, muss aber mit einer englischen Simkarte erst eingerichtet werden – wenn das mal gut geht).
Helmut: Nicht zu vergessen ist das Thema mit den lebenden Treibankern. Wie schwer muss man sein, um die Sya einen Knoten langsamer zu machen? Alles werde ich nicht verraten! Nur soviel: Wenn Wilfried an der Leine hinter dem Schiff hängt, wird die Geschwindigkeit deutlich mehr verringert, als bei Sven.
Skipper: Für Helmut können wir keine Aussage machen, er scheint wasserscheu zu sein. Wir werden sehen.
CU ;-)
Inverness ist erreicht
July 03, 2009
Die erste Etappe unseres Törns ist geschafft. Wir sind in Inverness angekommen. Nach 588,7sm auf der Nordsee haben wir die Seeschleuse zum Caledonian Canal exakt um 16:00 erreicht. Keine Minute zu spät, denn sofort wird mit der letzten Schleusung des Tages begonnen. Um 16:58 belegen wir nach 96:25 Std am Steiger der Seeport Marina Inverness.
Den Helder 29.6.09: Pünktlich mit der Flut verlassen wir um 9:45 den Hafen. Der Wetterbericht verspricht Wind aus O-NO 3-4 eigentlich ideale Bedingungen, aber durchs Molengat steht der Wind erst mal gegen an also starten wir unter Motor. Auch durchs erste Verkehrstrennungsgebiet motoren wir noch und können erst um 16:39 testen was der Wind hergibt. Kurs 272° Grad. Zeit die Angel auszuwerfen. Bei 5,5 Kn Fahrt dauert es nur 5 Minuten und wir haben die erste Makrele an Bord. Bei der dritten reißt die Schnur und wir müssen im nächsten Hafen erst mal Ersatz beschaffen. Die ersten Fänge schmecken wunderbar und so segeln wir zufrieden in die Nacht. Wachwechsel ist alle 4 Stunden: 4 Stunden Wache, 4 Stunden Bereitschaft und 4 Stunden frei, die mit einer Dose Bier belohnt werden, ansonsten besteht Alkoholverbot. Das Einleben in den Wachplan verläuft einfacher als gedacht, nach dem zweiten Durchlauf haben sich alle an den Rhythmus gewöhnt. Helmut stellt sich bei seinem ersten Wachantritt mit dem Spitznamen früherer Törns als „Windhelmut“ vor. Wir sind misstrauisch und taufen in vorsorglich um in „ Windiger Helmut“. Aber er hat ein Händchen für Wind und Segel. Kurz vor 24:00 kann auch er nichts mehr retten und wir starten wieder den Motor.
Auf See 30.6.09: Um 3:22 haben wir das dritte und letzte Verkehrstrennungsgebiet passiert, vor uns liegt nur noch offene See. Um 6:39 überfahren wir die Grenze nach England: Flaggenparade unter Abspielen von „God save the Queen“ und einer kleinen Dose Prosecco pro Mann, das lockt selbst Sven aus dem Frei und seiner Koje. Ansonsten kein Wind, die Nordsee sieht aus wie eine Badewanne, motoren - motoren -motoren. Kurz vor Mitternacht dann die Wende, Wind kommt auf, wir können wieder segeln.
Auf See 1.7.09: um !0:01 passieren wir den 0 Meridian. Wir lassen den Motor eine halbe Stunde mitlaufen um die Batterien zu laden und Wasser zu heißen. Heute ist Badetag. Durchlaufende Welle von BB achtern gibt einen rechten Schurgelkurs. Erstmals setzen wir auch unseren Genacker und hohlen uns zusätzliche 1,3 kn, Konzentration beim Steuern ist gefragt. Helmut läuft Toppspeed mit 8,31 kn auf der Logge wahrscheinlich ist ein Wal unterm Boot durchgetaucht und hat entsprechende Gegenströmung verursacht. Eigentlich unglaublich und nicht zu toppen. Um 18:43 haben wir die Höhe von Schottland erreicht. Um 22:00 sehen wir den ersten Segler seit unserer Abfahrt und um 23:00 das Blinkfeuern von St. Abbs Head – Land ist in Sichtweite.
Auf See 2.7.09: Ein gemischter Segeltag mit 5:50 Std Motor ansonsten Buisiness as usual. Um 23:00 passieren wir Rattray Head, links abbiegen nach Inverness nicht vergessen sonst landen wir noch in den Shetlands.
Auf See 3.7.09: Kurz nach Mitternacht kommt Wind aus S auf und trägt den Geruch von Erde und Vieh von Land herüber. Es ist der Beginn eines herrlichen Segeltages. Trotz kurzer Flauten lassen ir die Segel stehen und werden belohnt: Ich erreiche bei halben Wind unter Groß und Genua 8,39 kn, Sven überbietet in seiner Schicht unter Genacker mit 8,75 kn und Helmut der Windige toppt unter Groß und Genua erneut mit 9.2 kn, eigentlich unmöglich. Der Skipp bleibt dann doch Sieger und muss für unglaubliche 9.33 kn auf der Logge die Runde bezahlen. Jungs von Co-Segel Ihr habt einen tollen Job gemacht, die neuen Segel sind Spitze. Morgens sah es eigentlich unmöglich aus zur letzten Schleusenzeit um 16:00 in Inverness zu sein aber der Wind prügelt uns mit teilweise 8 kn Richtung Ziel und Pup. Nach dem ersten Anlegerwein geht es zum ersten Lager auf schottischem Boden in den Pup, danach dösen in die Nacht und schlafen ohne Zeitplan. Der gemütliche Teil des Törns fangt morgen an.
Helmut: Und da war noch das Thema – segeln ohne Wind – warum hat Magellan den stillen Ozean genau so benannt? Nach den von Wilfried schon beschriebenen Flautentag haben wir eine Vorstellung davon: Außer einer Lichtspiegelung auf dem Wasser sieht man nichts – ich hatte den Eindruck, wir drehen konstant nach Backbord. Ohne Kompass: Fahren wie Nicki Lauda – immer im Kreis – wer will das schon.
Sven: Eine Weile nach überqueren des 0 Meridians Frage Helmut an den Wachhabenden (meine Wenigkeit) in Sachen Wind: „Wie sieht es uss?“ Antwort: „Im Westen nichts Neues“. Später im Verlauf des Törns nächtliche Frage der Bereitschaft – Helmut – der gemütlich seit einer halben Stunde am Kartentisch saß: „Bist Du noch da?“ Ich bestätigte mit einem schallenden Gelächter.
Caledonian Canal Tag 1
July 05, 2009
Kein Zeitplan, ausschlafen war angesagt. Der Wachwechsel steckt doch noch zu tief drin. Sven wird um 7:45 wach und wird aktiv. Ich hatte immer schon den Eindruck, dass Sven als Kind in irgendeinen Aktionismustrunk gefallen ist. Mc Brussel ist geboren. Egal, es gibt genug zu tun. Putzen, nachbunkern tanken und putzen – vor Langeweile werden erste Schneckchen gedreht. Nach einem Rührei-Krabbensnack dann auf zur Ersten von 29 Schleusen und 10 Drehbrücken. Keiner hat einen Plan und so kommen wir gerade über die erste 4-Treppen Schleuse dann ist nach 1,8 sm Schicht. Die nächste Brücke öffnet nicht mehr. Erklärung des Personals: Durch die Tageshitze öffnet die Brücke noch, würde aber nicht mehr schließen. Ich dachte wir wären in Schottland und nicht auf Mallorca. Was solls, Loch Ness muss bis morgen warten.. Durch unsere schnelle Anreise haben wir 4 Tage entgegen unserem mit Risikozuschlägen versehenem Zeitplan zum Erkunden und Wandern dazu gewonnen. Zeit zum Törnbericht – schöne neue Zeit – schön für die daheim gebliebenen, aber ganz schön Arbeit für den Autor (Kommentare werden dankend entgegengenommen) Helmut sorgt für das leibliche Wohl, unsere Weinvorräte für den Rest. Na dann Gute Nacht.
Segeln auf Loch Ness
July 06, 2009
Vor 34 Jahren war ich als Jugendlicher das erste Mal in Schottland und habe mit einem amerikanischem Freund Glenaffric durchwandert und war in Loch Ness baden. Damals habe ich mich sofort in die raue Landschaft verliebt. Auch mit meinem Sohn war ich hier wandern um im diese Natur nahe zu bringen. Es ist ein großartiges Gefühl auf eigenem Kiel die alten Spuren von damals vom Wasser aus wieder zu entdecken. ( Hey Keith, ich hoffe Du siehst mich jetzt hier unten und freust Dich mit mir. )
Am Sonntag soll es nur bis zu einer Ankerbucht bei Urquhart Castle gehen. Bei Wind von SW setzen wir Segel und vermessen Loch Ness in seiner Breite. Das bringt uns zwar kaum vorwärts, macht aber Spaß und wir haben im Moment ja alle Zeit der Welt. Auch das Baden kommt nicht zu kurz. Und weil die Sonne erst spät untergeht haben wir an unserem Ankerplatz auch noch reichlich Zeit vom Dingi aus das Schiff von außen sauber zu machen – Mc Brussel braucht Beschäftigung. Zum Abendessen wird gegrillt. Den Rest des Abends streiche ich lieber aus meiner Erinnerung, die den anderen beiden scheinbar sowieso abhanden gekommen ist.
Heute um 3:40 noch ein herrlicher Sonnenaufgang, doch nach, dem Aufstehen um 8:00, sieht es schwer nach Regen aus. Aber wir haben noch etwas Zeit – ein Stündchen unter Segeln, den Rest unter Motor kommen wir noch halbwegs trocken nach Fort Augustus. Mitten in der 5 Kammer Stufenschleuse erwicht es uns dann richtig. Natürlich, hier können wir ja nicht weg und werden gründlich nass; aber Segeln ist ja ein Wassersport. Wir machen direkt hinter der Schleuse fest und ziehen uns erst mal trockene Klamotten an. Es soll bis morgen früh durchregnen, dann die nächsten 4 Tage bewölkt mit Sonne, aber trocken bleiben. Schottlandwetter vom Feinsten.
Richtung Ben Navis
July 08, 2009
7.7.09 : Morgens erster Wetterscheck – der Wetterbericht muss von einem anderen Schottland erzählt haben, die Wolken sprechen eine eindeutige Sprache. Was sagen die Schotten zur Wetterplanung: Five seasons….a day. Es hilft nichts, wir müssen los. Weg vor der Meute, welche von der Schleuse hinter uns in Kürze ausspuckt wird. Durch weitere Schleusen geht’s Richtung Loch Oich. Völlig unnötigerweise versucht uns ein Motorboot in der Schleuse zu überhohlen und rammt uns achterlich an BB. Wir stellen ihn im Kanal und tauschen die entsprechenden Papiere aus, hoffentlich geht die Schadensregulierung nicht in mehrere Runden. Loch Oich bedeutet die Wende. Wir sind nun 32,3mtr Hoch und der See fließt in beide Richtungen ab. Von hier aus geht es jetzt direkt in Richtung Atlantik. Loch Lochy gewährt uns anfangs noch etwas Segelwind, dann kommt es von hinten über uns. Nach einem heftigem Gewitterguss laufen wir schließlich in Gairlochy ein und machen vor der Schleuse fest.
8.7.09 : Wandertag. Wir verlassen das Boot gegen 8:30 um frühzeitig am Clan Cameron Museum zu sein. Keiner erwartet, dass das Museum erst um 11:00 Ortszeit öffnet, wir sind eine halbe Stunde zu früh. Wir entscheiden uns, die Lage von oben zu begutachten und klettern erstmal aufwärts. Wir folgen einfach den Wildwechseln, feste Pfade gibt es hier sowieso nicht. Helmut entscheidet sich doch lieber das Museum zu erkunden, Sven und ich bleiben auf der Spur der Tiere, die ich bei der ersten Sichtung nicht schnell genug einfangen konnte.
Iris, ich habe für Dich gejagt, und ich bin zum Schuss gekommen. Ich hoffe Du bist Stolz auf mich..
Der Rückweg geht dann durch viel sumpfigen Morast, noch mehr Wasser und vielen Stechmücken gen Tal. Zurück an Bord müssen wir auf Helmut und den Bootsschlüssel warten, wieso sind wir eigentlich die ganze Sache in 3:50 durchgerannt? Die frühe Rückkehr hat den Vorteil, dass wir noch Richtung Fort William weiterfahren können. Dort werden wir dann mit der letzten Schleusung des Tages 19mtr in 8 Kammern am Stück abwärts geliftet. „Neptun’s Staircase“ dauert 1:20, jetz liegen nur noch 2 Schleusen vor uns und dem Atlantik. Der Törnbericht verzögert sich leicht, weil Berliner Segler, die schon seit Tagen parallel mit uns durch den Kanal ziehen, zum Bordbesuch vorbeischauen. Gut dass wir genügend Wein gebunkert haben. Bei bestem Sonnenschein erzählen wir bis in die Nacht.
Atlantik wir kommen
July 09, 2009
Es ist ein hartes Stück Arbeit, ein leichtes Leben zu führen. Es soll nur keiner denken wir hätten den ganzen Tag über nichts zu tun. Um 7:30 stürtzt sich Mc Brussel in die Morgenroutine. Tabakplantage aus der Pflicht entfernen, Reste vom Vorabend entsorgen und alle anderen wecken. Ok wir haben Termine, Oban wartet. Also kurz Diesel und Wasser bunkern und dann ab durch die Seeschleuse – wir schwimmen im Atlantik. Doch noch ein kurzer Anleger um Lebensmittel zu kaufen (Wir kaufen das erste englische Dosenbier) dann geht es für unsere Sya zum erstenmal auf Törn im Atlantik. Wir verlassen als erste den Kanal und nach passieren des ersten Engpasses von Loch Linnhe können wir bei halben Wind die Segel setzten. Es wird ein herrlicher Segeltag. Die Schweizer, mit größerem Boot unterwegs und kurz nach uns gestartet, können uns nichts nehmen – alte Regel: eine Jacht ist eine Fahrtenjacht, 2 Jachten sind eine Regatta. Zur Einfahrt nach Oban müssen wir einige Haken schlagen, behalten aber die Führung bis zur Oban Bay. Genützt hat es uns trotzdem nicht, die Anfrage nach einem Liegeplatz in der Oban Marina ist anscheinend verloren gegangen und so müssen wir im offenen Wasser an einer Mooringtonne belegen.. Die Dinghyfahrt nach Oban bei immer noch 3 Windstärken verspricht nass zu werden. Wir schaffen es trotzdem halbwegs trocken und belohnen unseren zeitgetreuen Törnabschnitt mit einem Seefood Dinner in Oban City. Die Rückfahrt bleibt trocken, auch hier legt sich der Wind nachts mal gerne aufs Ohr.
Classic Malt Cruise
July 10, 2009
Gestern ist es spät geworden. Nach einem herrlichem Sonnenuntergang, einer nächtlichen Rudertour im Dingi (hey HWTH Crew, ich trainiere heimlich) kam unerwartet der nächste Sonnenaufgang. Keine Kunst, liegen doch hier im Norden nur 6:42 Stunden dazwischen. Sonnenaufgang war um 3::48. Irgendwann schaffen wir es dann doch in die Koje. Macht aber nichts, ausschlafen war sowieso befohlen.
Es ist ganz schön frisch geworden. Trotzdem ein schnelles Bad im Atlantik und dann warm abduschen. Heute können wir uns in der Oban Destillerie zur Cruiseteilnahme registrieren lassen. Vorab noch neue Arbeitskleidung gekauft, dann treffen wir die Jungs vom World Cruising Club, die als Partner der Classic Malt Destillerien den seglerischen Teil der Veranstaltung organisieren.. Registrierung bedeutet Abgleich der Teilnehmerdaten, Übergabe diverser Papiere, Ausgabe von Crewsweatern und Mützen (bis 8 Windstärken einzusetzen) und der Cruiseflagge. Auch die extra bestellten Shirts mit Bootsnamen sind vorhanden. Skippers Briefing und Reviereinweisung finden morgen Nachmittag statt. Also Stadtbummel und zurück aufs Schiff. Die neue Arbeits- und Dienstkleidung wird direkt eingeweiht. Ganz schön windig auf einmal. Wasser bunkern, ein wenig Bootsputz, Flagge setzen und über die Toppen flaggen, dann ist Schichtende. Nun geht’s an Kartoffelschälen, die müssen weg. Dazu Steaks und Salat, sowie ein Glas aus unserem unerschöpflichem Weinkeller. Danach an Deck einen weiteren spektakulären Sonnenuntergang genießen.
Parade of Sails
July 12, 2009
Endlich wieder auf See. Die erste „Function“, den ersten offiziellen Part haben wir gestern absolviert. Morgens frische Lebensmittel für die nächsten 4 Tage gebunkert und bei der Gelegenheit auch gleich den Kühlschrank komplett gesäubert. Dann auf zum Skipper Briefing. Helmut und Sven sind wegen Platzmangel nicht zugelassen und parken im nächsten Pub zwischen. Danach gibt es eine Einweisung was uns im Bezug auf Wild Life Kontakte erwartet und wie man damit umgehen soll. Die anschließenden Reviertipps verpassen wir, da der Programmablauf völlig hinterher hängt und wir uns für 16:00 zur Destilleryführung angemeldet hatten. Danach 2 Stunden Zeit bis zum Abendempfang. Schnell zurück zum Boot, um uns in unsere neue Garderobe zu schmeißen. Dann der Schock am Strand: Unser Dingi hat in 2 Kammern Luft verloren. Wir schaffen es gerade noch mit 2 Fahrten an Bord zu kommen, dort erst mal Schadensanalyse. Unser Dingi können wir vergessen. Die original Nähte haben begonnen sich zu lösen, Versuche einer Reparatur scheitern – wir hätten sowieso kein Vertrauen mehr in die Sicherheit. Ein neues Dingi muss her, doch das Problem werden wir später lösen. Wichtiger ist: wie kommen wir von Bord, die Zeit drängt langsam. Das eingesetzte Wassertaxi hatten wir ja nicht bestellt und alle Versuche Kontakt mit ihm aufzunehmen scheitern. Doch die Götter sind mit uns: Das Taxi kommt von alleine zu uns und bringt uns zum Hauptpier. Pünktlich kommen wir zum Empfang und ziehen sofort die Aufmerksamkeit auf uns. Iris Du hast Recht: Gut gekleidet geht man einfacher durchs Leben. Auch die Pressefotografin hat uns gleich entdeckt, wir werden wohl frühzeitig auch auf der Webseite der Cruise zu sehen sein. Insgesamt 460 Cruiseteilnehmer sowie die Belegschaft der Destillery sowie die Mannschaft des Cruising Clubs machen sich dann über ein reichhaltig und liebevoll arrangiertes Buffet her. Die Atmosphäre ist sehr locker, die Kontaktaufnahme und Austausch mit anderen Crews fällt leicht und ist ein gewünschtes Element der gesamten Cruise. Um 21:00 kommt dann die Pipeband und geleitet die Segler mit Musik zum Hauptpier der Stadt. Wir springen noch schnell auf einen Wein zu den inzwischen nur noch 2 Berlinern, die dort vertäut haben. Um 22:30 bringt uns dann das Wassertaxi wieder sicher an Bord – natürlich mit angelegten Rettungswesten (Healts and Safety lässt grüßen). Zufrieden lassen wir den Tag Revue passieren. Ein letzter Blick auf unsere Leinen, in der Nacht soll Regen und Wind bis 9bf durchgehen.
Heute also wieder segeln. Um 10:45 ist Sammeln zur Parade of Sails. Alle Boote fahren unter voller Beflaggung am Hauptpier vorbei, wo ein Dudelsackspieler die auslaufende Flotte verabschiedet. Das Wetter der Nacht hat Verspätung und so wird die Veranstaltung eine Regenpartie. Wir sind noch etwas unorientiert und als wir uns der Flotte in Richtung Sound of Mull anschließen, sind wir fast die letzten. Aber Wind kommt auf, 4-5, wir müssen sogar ein Reff setzen, der windige Helmut am Steuer und die neuen Segel – wir rollen das Feld von hinten auf. Segelspaß vom Feinsten. Dann kommt die Presse im Motorboot. 10 Minuten Showfotos im Arbeitsdress, dann geht die Regatta weiter. Leider wirft uns eine taktische Fehleinschätzung bezüglich des besten Windes wieder fast ans Ende., Trotzdem es bleibt ein herrlicher Segeltag, der beim Einlaufen in Tobermory noch mit Sonnenschein und blauem Himmel getoppt wird. Pünktlich zum Anlegen schläft der Wind ein und die Stadt erwartet uns. Was sagt das Pilotbuch zur Stadt: The selection of pubs is one of its main attraction.
P.S.: Fürs Modeln gab’s sogar Bezahlung. Mehr später unter www.worldcruising.com/classicmaltscruise/index.aspx
